Winterflucht Portugal und der Beginn der Corona Pandemie

Als ich am 6. März im Flieger nach Malaga saß, hatte ich absolut keine Ahnung, was in den nächsten Wochen auf mich zukommen würde. Hätte ich gewusst, was auf mich zukommt, hätte ich möglicherweise gezögert in diesen Flieger zu steigen. Zum Glück können wir nicht in die Zukunft schauen und müssen mit den Situationen umgehen, wie sie sind. Heute kann ich sagen, wir haben nichts falsch gemacht, wir hatten wundervolle Touren, es wurde gelacht und als Corona immer näher rückte, haben wir reagiert und das Beste aus der Situation gemacht. Ich fang ganz einfach mal von vorn an.

Die letzten Wochen vor meiner Abreise hatte ich eine Menge Arbeit im Büro, viele Touren für dieses Jahr waren bereits jetzt schon ausgebucht und vor mir lagen 4 Winterfluchten über 4 Wochen. Ich freute mich riesig darauf, 4 Wochen in meiner 2. Heimat bedeutet, dort zu sein, wo ich gern bin und das macht glücklich.

Als ich 6 Uhr am Flughafen war, konnte ich mich schwer auf den Beinen halten. 4 Uhr aufstehen nach nur 3 Stunden Schlaf war nicht mein Ding, es war auch nicht freiwillig, mein Flug wurde am Vortag umgebucht und anstatt möglichst direkt zu fliegen, flog ich jetzt sehr früh von Dresden nach Stuttgart, von Stuttgart nach Zürich und dann von Zürich nach Malaga.

An Schlaf im Flieger war nicht zu denken, ich war umzingelt von redseligen Schweizern, die scheinbar meinten der Flieger gehört ihnen. In Malaga angekommen war ich einfach nur platt und hatte keine Lust heute noch mein Motorrad zu übernehmen.

Meine Freundin Katja holte mich ab und ein leckerer Cortado brachte die nötige Lebensenergie zurück. Schon beim Check-in im Hotel traf ich die ersten Gäste und bekannte Gesichter, ein herzliches Hallo und ab jetzt war ich wirklich angekommen.

Die Gruppe traf sich kurze Zeit später an der Bar und in geselliger Runde verbrachten wir den Abend. Bis auf 2 neue Gäste kannte ich alle persönlich und mir war recht schnell klar, das hier wird eine wirklich nette Gruppe. Mit dem Gedanken und einem Lächeln im Gesicht fiel ich todmüde in mein Bett und freute mich auf die kommenden Tage.

Nach dem Frühstück ging es zur nahe gelegenen Vermietstation, wir übernahmen die Motorräder und gegen 10:30 Uhr starteten wir in Richtung Cordoba. Das Wetter war sonnig und warm. Die Gruppe bestand aus 8 selbstfahrenden Gästen und für alle war es die erste Tour in diesem Jahr. Ich selber hatte gerade neue Reifen und somit war das Tempo angepasst an die Gegebenheiten. Nach 50 km der erste Zwischenfall, unser Heidi hatte sich in einer Kurve verbremst und „Kontaktaufnahme“ mit einer Leitplanke. Dank dem geringen Fahrtempo und dem galanten Abstieg vom Motorrad, blieb sie bis auf Prellungen unverletzt, das Motorrad war allerdings Totalschaden. Es dauerte 2 Stunden bis alles geregelt war, die Gruppe nutzte die Zeit zur „Nahrungsaufnahme“ und Heidi samt Motorrad wurden abgeholt. Wir fuhren weiter und kamen gegen 18 Uhr in unserem Hotel an. Wie immer gab es nach dem Check-in ein „Stiefelbier“ und einige Zeit später startete unser Abendprogramm. Wer mit uns schon unterwegs war weiß, dass wir die Abende auch gern mal außerhalb vom Hotel verbringen. Cordoba ist eine wundervolle Stadt und wir waren ganz in der Nähe vom jüdischen Viertel untergebracht. Wir bummelten durch das belebte Viertel mit seinen engen Gassen. Unzählige, kleine Läden verführten zu Einkäufen, der Duft von Gewürzen und leckerem Essen lag in der Luft und wir haben diese wundervolle Atmosphäre sehr genossen. Das Ziel des Abends war eine kleine Tapasbar in diesem Viertel und ich freute mich, den Gästen die vielen Leckereien der spanischen Küche näher zu bringen. Mittlerweile war auch Heidi im Hotel angekommen, sie hatte sich in Malaga einen Mietwagen genommen, ihr Fahrzeug für die weitere Zeit der Tour.

Ein neuer Tag, ein perfektes Frühstück, die Sonne am Himmel und Temperaturen um die 15 Grad – so kann der Tag gern beginnen. Das Ziel des heutigen Tages war Portugal und schon kurz hinter Cordoba waren wir auf den wundervollsten Kurvenstrecken allein unterwegs. Es fühlte sich an wie ein Rausch, der über 40 Kilometer nicht aufhörte. Mit Heidi hatten wir die Strecke abgesprochen und es dauerte auch nicht wirklich lang, bis der kleine rote Polo auftauchte. Am Nachmittag überquerten wir die Grenze nach Portugal und entlang unzähliger Weinfelder erreichten wir unser Ziel des Tages, Evora. Ankommen, Stiefelbier trinken, duschen und schon bald ging es gemeinsam auf einen Bummel durch eine Stadt, die zum UNESCO Weltkulturerbe zählt. Ich war schon oft genug hier, kenne die kleinen versteckten Bars und natürlich auch das beste Restaurant der Stadt, wo wir ein wundervolles Abendessen genießen durften.

Ein neuer Tag wartete auf uns und dieser Tag war voller Überraschungen. In Evora gestartet war meine erste Pause des Tages 1,5 Stunden später in einem kleinen Dorf, wo die Zeit anders tickt, ruhig und tiefenentspannt. Ein Blick auf mein Handy zeigte mehrere Anrufe mit einer portugiesischen Nummer. OHA, das bedeutet nix Gutes! Ich rief zurück und es meldete sich unser Hotel in Evora, unser Heinrich hatte seinen Ausweis an der Rezeption vergessen. Jetzt war „Krisenmanagement“ angesagt, wir spielten alle möglichen Varianten durch und entschieden uns am Ende dafür, dass der Ausweis an das Hotel für die letzte Übernachtung in Portugal per Kurier verschickt wird. Jetzt zurück fahren wäre die schlechteste Option gewesen. Gesagt und angeordnet und dass uns Heinrich noch öfters überraschen wird, war uns in dem Moment noch nicht klar.

Unser Ziel des Tages war die Atlantikküste und in Abstimmung mit der Gruppe durfte ich einiges an Mehrkilometern drauf legen. Ich war schon 48 Mal in Portugal unterwegs und habe gefühlt das Land mehrfach „vermessen“. Ich kenne mich hier mittlerweile so gut aus, dass ich jeden Tag individuell anpassen kann und es bereitet mir immer wieder viel Freude, wenn meine Gäste das mitmachen.

Der Atlantik hat uns mit viel Wind und hohen Wellen empfangen und an den gemeinsamen Abend in meinem Lieblingsrestaurant werden sich alle Gäste noch für lange Zeit erinnern. Cataplana Special ist das Schlagwort und wer gute Krustentiere verspeisen möchte, muss hart dafür arbeiten J

Ein neuer Tag lag vor uns und der sollte mit einer besonderen Option starten. Wer schon mit ALMOTO auf Tour war weiß, dass eine Vielzahl unserer Tourguides über den Job hinaus für die Gäste verschiedene „Zusatzangebote“ anbieten, weil es ihnen Spaß macht. Eine meiner Option für die Gäste war es, den Sonnenaufgang am Leuchtturm zu erleben, das bedeutet früh aufstehen. Es ist eine Option und oft bekommst du keine klare Aussage. Meine Ansage war, dass ich 6:40 Uhr am Motorrad bin und wer mitfahren will, der ist dabei. Es war mir, wie so oft, eine Freude, dass bis auf Heidi und Thomas die gesamte Gruppe anwesend war. Das frühzeitige Aufstehen hatte sich gelohnt, wir waren ganz allein mit einem Sonnenaufgang der Extraklasse und Momenten an die wir uns gern erinnern.

Es fühlt sich schon ein wenig anders an, wenn du mit Motorradklamotten zum Frühstück gehst, ich bin es hier gewohnt, weil mir immer Gäste zum Sonnenaufgang folgen. Wenige Zeit später starteten wir Richtung Lissabon. Für heute standen 10 km Autobahn an, um zeitraubende Stadtdurchfahrten zu vermeiden.  Normalerweise funktioniert das auch super, ich hatte alle Gäste auf die Gegebenheiten der mautpflichtigen Fahrt vorbereitet, dennoch gibt es immer wieder Ausnahmen. Angekommen an der Mautstation war alles wie immer, Knöpfchen drücken, Ticket ziehen, durchfahren und all das immer wieder, bis der letzte durch ist. Beim letzten Motorrad bleib die Schranke oben und noch immer mussten ich und Heidi mit ihrem Polo durch. Heidi dachte ok dann fahr ich mal und tat das auch, anders hätte ich das auch nicht getan. Sie fuhr an mir vorbei durch die Schranke, die Schranke ging wieder runter ich dachte OK, Knöpfchen gedrückt mein Ticket kommt, Schranke geht hoch und ich war durch.

3 Abfahrten später dann die Zahlstelle. Jeder hatte ein Ticket, nur nicht unsere Heidi, sie war ja einfach durchgefahren, weil die Schranke oben blieb. Diskussionen hin und her, am Ende mussten wir für das „nicht vorhandene Ticket“ 25 Euro Bußgeld zahlen. Reisen bildet und wir unterstützen gern Portugal.

Da denkst du, das sollte für den Tag reichen, nein das tat es nicht. Ich steuerte den nächsten Supermarkt an, weil wir uns mit Vorräten wie Wasser etc. versorgen wollten. Ein großer Parkplatz, viel Platz, die Motorräder sicher geparkt und rein in den Supermarkt. Kurze Zeit später sind alle wieder an den Motorrädern, wir wollen gerade los, da kommt Heide zu mir gerannt und fragt mich, ob sie gerade einen Alptraum hat. Ich hatte ein Fragezeichen im Gesicht, weil ich die Frage nicht verstand und dann zeigt sie zu ihrem Auto. Ach du Schreck! Sie hatte ganz normal (in Fluchtrichtung) geparkt und ein anderes Auto hatte sie in entgegen gesetzter Richtung auf 10 cm zugeparkt. Der Parkplatz hatte ungefähr 50 Plätze, 10 davon waren belegt, der Rest der Parkplätze war frei. Ich dachte in dem Moment an versteckte Kamera, aber wir waren in Portugal. Der Job eines Tourguides liegt auch darin, Lösungen für Probleme zu finden, die gerade mal unlösbar erscheinen. Schade, dass es kein Bild dazu gibt, ich war in dem Moment einfach nur bemüht eine Lösung zu finden und die sah wie folgt aus: Ich quälte mich mit meinen Motorradklamotten über die Beifahrertür in diesen winzigen Polo (weil Heidi mit ihren Prellungen dazu nicht in der Lage war) und versuchte in akrobatischer Art und Weise irgendwie auf den Fahrersitz zu gelangen, schaffte das auch mit immens viel Anstrengung  um dann das Auto rückwärts zu fahren und freien Platz zum Einsteigen zu schaffen. PUH, was ein Tourguide alles so tun muss!

Es gab nicht nur diese Verzögerung an dem Tag, es gab noch ein paar mehr und damit schafften wir die Fähre nicht, die uns rechtzeitig nach Santiago bringen sollte. 15 Minuten vor der Nase weg, kein schönes Gefühl und nun bedeutete es 45 Minuten warten bis zur nächsten Fähre. Der Imbiss am Terminal war geschlossen und Corona zeigte die ersten Vorboten. Damit komme ich zum Thema Corona, schon die ganze Zeit war Corona präsent, aber bisher nur in den Medien, es ging um China und die ersten Fälle in Italien, wir waren da noch ganz weit weg. Ich war positiv überrascht, wie meine Gäste die Wartezeit und auch die Überfahrt scheinbar tiefenentspannt in völliger Ruhe verbracht haben und es hat mir persönlich gut getan.  Die Nachrichten in Bezug auf Corona wurden immer präsenter und das Internet schien sich zu überschlagen was Informationen anging.

Wir waren gut angekommen in unserem Hotel, auch wenn es bereits dunkel war. Unser Heinrich hat uns an dem Abend mal wieder ein Lachen in die Gesichter gezaubert. Weil es gar nicht so einfach ist, im Dunkeln den Inhalt der Koffer zu sortieren, nahm er alle Beutel und Tüten mit ins Hotel, die er dabei hatte. Das sah schon recht lustig aus und es tat gut, dass wir dank Heinrich noch immer viel zu lachen hatten!

Ein neuer Tag und bereits morgens zur Abfahrt zeigte das Thermometer 21 Grad, wie kann das sein?

Die Temperaturen steigerten sich im Laufe des Tages auf bis zu 31 Grad und das war schon etwas Einmaliges. Über unzählige Kurvenstrecken, entlang dem Atlantik und durch die Serra de Monchique erreichten wir am späten Nachmittag unsere Unterkunft an der Algarve.

Es war eine Ankunft in einem Zuhause, wo jeder Gast willkommen ist und wo ich mich persönlich auch wie zu Hause fühle. Diese Unterkunft liegt in den Hügeln des Hinterlandes, umgeben von 11000 Orangenbäumen, freilaufenden Tieren und Gastfreundschaft wird hier ganz groß geschrieben. Ich bin sehr oft hier und ich bin bisher immer nur auf der Durchreise für eine Nacht gewesen. Ich habe mir oft gewünscht, länger hier zu sein, dass sich das in wenigen Tage erleben würde, hätte ich in dem Moment nie gedacht. Ich bin dankbar dafür und mehr dazu gibt es bei der nächsten Winterflucht, die sich ganz anders gestaltete als gedacht.

Gemeinsam verbrachten wir einen wunderbaren Abend bei einem phantastischen Abendessen und einem Ausklang des Tages am Kamin bei leckerem portugiesischen Wein. Auch wenn sich das alles wunderbar anhört, es waren schöne Momente, sie waren trotzdem immer begleitet von den aktuellen Nachrichten um Corona und der Unsicherheit, wie es weiter gehen wird.

Schon zum Frühstück wurden wir über den Fernseher zur aktuellen Situation um Corona informiert. Wenn Gäste oft auf das Handy schauen, dann war es jetzt ganz besonders oft. So langsam breitete sich das schlechte Gefühl im Magen aus und die Frage im Kopf „wo wird die Reise hingehen“?

Für heute war der Abschied von Portugal gewiss, das Ziel des Tages war Spanien und nach all den wundervollen Erlebnissen drückte gerade ein wenig Schwermut auf die Gruppe. Ich kenne das, weil es mir bei jeder Tour genauso geht, ich weiß, dass ich bald wieder hier sein werde, die Gäste aber nicht. Ich habe einen Weg gefunden, damit es den Gästen etwas leichter fällt Abschied zu nehmen und freue ich mich auf jeden Wiederholungstäter, weil Portugal immer eine Reise wert ist.

Mittlerweile wusste ich wie die Gruppe aufgestellt ist, es konnten noch viele „Mehr“ Kilometer sein und da ich genauso ticke, habe ich die Möglichkeit genutzt und die Tour um unzählige Kurvenkilometer verlängert. Heidi wusste immer wo es lang geht, wir stimmten uns permanent ab und es war schön zu erfahren, dass auch ein kleiner Polo mithalten kann.

Wir waren angekommen in Spanien und in einer Unterkunft, wo wir freudig erwartet wurden. Wir  haben den Sonnenuntergang bei leckerem Bier verbracht und dank „nicht vorhandenem Internet“ wurden die unzähligen Erinnerungen an die vergangenen Tage das Thema des Abends.

Der letzte Tourentag war gekommen und für mich der Tag, wo du als Tourguide eine Reise zu Ende bringst und das bevorzugt ohne Schäden. Hättest du gern, aber das Leben ist ein Wunschdenken, was sich nicht immer erfüllt. Heidi war mittlerweile auf dem täglichen Weg der Besserung.

Ich wollte bereits vor dem Frühstück meine Klamotten am Motorrad verstauen. Bepackt mit meinen Taschen komme ich auf den Parkplatz und sehe da 2 Motorräder auf der Seite liegen. Unser Rolf und 2 weitere Gäste bemühten sich gerade die Motorräder wieder aufzurichten. Umfaller erlebe ich ständig und ich machte in dem Moment noch einen Scherz und fragte, ob sie gerade Domino spielen. Kurze Zeit später standen die Motorräder wieder, alles ohne größere Schäden, nur Rolf klagte über Atembeschwerden. Er hatte noch versucht, sein Motorrad zu halten und war dabei über eine Begrenzung gefallen. Unsere Mitfahrerin Kerstin war in der Medizin tätig und nachdem wir alles abgecheckt hatten, tippten wir auf eine Rippenprellung. Rolf befand sich selber als fit für die Weiterfahrt, IBU wurde verabreicht und schon bald ging es weiter nach Malaga. Auf dieser Tour fahren wir auf kleinsten Nebenstrecken über Ronda, hier gab es heute gar keinen Verkehr, besser gesagt Einsamkeit, Corona hatte Spanien erreicht und das mit voller Wucht. Unser Lokal für die Mittagspause war froh, dass es uns gab und mittlerweile wurde uns klar, dass wir hier auf eine ganz neue Situation zusteuern werden. Wenn du mit dem Motorrad unterwegs bist, dann musst du dich auf das Fahren konzentrieren, da ist kein Platz zum Grübeln oder Nachdenken. Wir sind auf die Motorräder gestiegen, haben die Fahrt genossen und angekommen bei Malaga, an unserer Vermietstation, hieß es Abschied nehmen von den Motorrädern.

Sachen umgepackt und die letzte Unterkunft dieser Reise war nur ein Steinwurf entfernt. Rolf seine Situation war unverändert, Beschwerden beim Luft holen, Anstrengung nicht möglich aber dennoch entspannt. Morgen sollte es nach Hause gehen und so lange wollte er auch durchhalten.

Gemeinsam verbrachten wir den letzten Abend dieser Reise. Es war ein schöner Abend und trotzdem war er erfüllt mit den negativen Entwicklungen um Corona. Unter uns waren Gäste, die auch unsere Winterflucht Almeria, direkt im Anschluss an diese Tour, gebucht hatten. Ich glaube, dass unsere Gäste, die wussten, dass es morgen nach Hause geht froh darüber waren. Die Gäste, die noch für eine weitere Tour bei uns bleiben würden, waren dennoch entspannt und freuten sich auf die kommenden Tage.

Corona hatte Spanien mittlerweile schwer getroffen. Erfreulicherweise ging noch jeder Flieger nach Hause und unsere abreisenden Gäste durften sich auf ihr zu Hause freuen. Alle anderen nutzen den Samstag für Wäsche waschen, relaxen, arbeiten oder was auch immer.

Es war zeitgleich auch der Anreisetag für die meisten Gäste der Winterflucht Almeria. Ich stand mit jedem einzelnen in Kontakt, würde es jeder schaffen anzureisen?

Die Ereignisse fingen an sich zu überschlagen und damit verbunden erlebte ich einen Moment, der auch für mich neu war. Was kann ich tun und was ist jetzt die beste und vor allem richtige Entscheidung? Fragen über Fragen und niemand ist da, der mir die richtige Antwort gibt. Somit muss ich die Entscheidung selber treffen. Ich stand zwischen den Gästen, die vor Ort waren und erlebt haben, dass das HIER sein sich anders anfühlt, wie die Medien es darstellen und den Gästen, die in Deutschland eine andere Art der Berichterstattung durch die Medien erlebten.

Am späten Nachmittag wusste ich, dass 3 Gäste nicht anreisen können, weil der Flug gestrichen wurde. Für heute waren wir „fast“ komplett, die „Neuankömmlinge“ und die Gäste, die schon mit mir in Portugal waren, es fehlte nur noch Bernd, der morgen ankommen sollte.

Die Gruppe fand sich zusammen, es war eine nette Runde auf der Terrasse bei Sonne und kühlen Getränken, die Stimmung war gut. Ich war mir durchaus der Lage bewusst und permanent „standby“ um über die aktuelle Lage Bescheid zu wissen.

Es sind die Momente in deinem Leben als Tourguide, wo du plötzlich und unerwartet in eine Krise kommst, die keine ISO Zertifizierung im Plan hat und wo du Entscheidungen treffen musst, die wichtig sind für deine Gäste und für die es keine ISO Norm gibt. Es sind die Momente, wo der Kopf entscheidet und wo du reagieren musst und vor allem die richtigen Entscheidungen treffen musst.

Der Moment war heute gekommen und er traf mich hart. Es war der Anruf von unserem Tourguide Sven, der hier vor Ort lebt. Seine Botschaft: Ab Montag gilt für ganz Spanien Ausgangssperre. Weitere Freunde vor Ort bestätigten das und ab sofort änderte sich alles.

Wenn mich heute jemand fragen würde, ob ich in den Flieger gestiegen wäre, wenn ich gewusst hätte was kommt, dann würde ich JA sagen. Jeder Tourentag war einzigartig und gezeichnet von Momenten und Menschen, mit denen ich wundervolle Zeiten erlebt habe und die mir mittlerweile ans Herz gewachsen sind. Es waren 2 Touren, wo ich mit Freunden unterwegs war und ich bin dankbar für diese einzigartigen Erlebnisse.

Mittlerweile hatte ich auch eine Rückmeldung von Rolf bekommen. Er ist direkt nach seiner Ankunft zu Hause notoperiert worden. Er hatte sich bei seinem Sturz 2 Rippen gebrochen und durch die Luftveränderung im Flug war seine Lunge kollabiert. Er ist auf dem Weg der Besserung und wir wünschen ihm an dieser Stelle alles Gute, komm schnell wieder auf die Beine lieber Rolf!

Wie es weiter geht mit der nächsten Winterflucht könnt ihr hier nachlesen:

Winterflucht mit Corona und eine wirkliche FLUCHT

Die Bilder zur Tour gibt es hier:

Mit dem Bike auf Winterflucht nach Portugal zu Coronazeiten – März 2020

2 comments to “Winterflucht Portugal und der Beginn der Corona Pandemie”
2 comments to “Winterflucht Portugal und der Beginn der Corona Pandemie”
  1. Liebe Manuela,
    ein ganz herzliches Dankeschön für die schöne Tour „Winterflucht Portugal“ sowie die Arbeit und Zeit, die Du Dir genommen hast, um den tollen Reiseblog zu verfassen und die schönen Erlebnisse in einem Fotoalbum festzuhalten; eine schöne Erinnerung an eine fantastische Motorradtour mit ALMOTO.
    Die Winterflucht Portugal bin ich ja bereits schon einmal im letzten Jahr (Mrz2019) mitgefahren und war so angetan, dass ich mir fest vorgenommen hatte, diese noch einmal mit dem eigenen Motorrad zu fahren. Sodann hatte ich im Herbst letzten Jahres gleich beide Winterfluchten, Portugal und Almeria, bei ALMOTO sowie den Motorradtransport bei Sepp gebucht.
    Wie Du in Deinem Reiseblog sehr treffend beschreibst, hat bei dieser Tour wirklich alles gepasst. Das schöne sonnige Wetter mit Temperaturen von 20°C…31°C, die tollen Unterkünfte, die örtlichen Sehenswürdigkeit (z.B. jüdische Viertel in Cordoba, Küste und Sonnenaufgang am Atlantik,….), das sehr gute Essen in den kleinen, landestypischen Restaurants, und natürlich die landschaftlich schönen Touren die Du mit uns gefahren bist, mit überwiegend griffigem Asphalt und anspruchsvoller Streckenführung. Ein ganz besonderes „Dankeschön“ für die Extrakilometer, die Du mit uns gefahren bist und für Dein Vertrauen in die Gruppe für das „freie Fahren“ auf der Bergstrecke „Porto de Las Palomas“; wie Du in den Gesichtern ablesen konntest, hatte es allen riesigen Fahrspaß bereitet; es ist mir immer noch sehr wohl vor den Augen wie Heinrich mit seiner kleinen GS bei „guter Linienführung“ geradezu durch die Kurven geflogen und „dran geblieben“ ist, ohne übermütig bzw. leichtfertig zu werden.
    Nach meinem Empfinden war die Gruppe sehr harmonisch mit guter Fahrpraxis; hat richtig Spaß gemacht. Auch an die Abende, wo wir uns gerne in lockeren, sehr lustigen Runden zusammengefunden haben, denke ich gerne mit einem Schmunzeln im Gesicht zurück. Es freut mich besonders, dass ich bei dieser Tour sehr aufgeschlossene und nette Menschen kennen lernen durfte und hoffe, dass wir uns nochmals auf eine Tour mit ALMOTO zusammenfinden.
    Dir, Manuela, nochmals herzlichen Dank für diese tolle Winterflucht-Motorradtour,…für die landschaftlich schönen und anspruchsvollen Strecken, guten komfortablen Unterkünften und tollen Restaurantbesuche an den Abenden bis hin zu Deiner Empathie zu den Teilnehmern; man spürt einfach, dass Du mit „Herzblut“ dabei bist und das Anliegen Deiner Gäste für Dich ein hohes Gut ist.
    Ich wünsche Dir weiterhin alles Gute und hoffe, dass der wirtschaftliche Einschnitt für Dich (ALMOTO) nicht zu arg wird und es bald wieder losgeht.
    Viele Grüße und bleib gesund
    Frank

    • Liebe Manuela,
      nun bin ich mit meinem Kommentar doch sehr spät dran. Und es ist eigentlich zu dem was alle anderen geschrieben haben (besonders Kerstin und Frank) nichts mehr hinzuzufügen. Es ist alles beschrieben und alles gesagt. Besonders will ich aber noch einmal hervorheben wie man es bei Deinen Touren spürt/erlebt wie Du mit Herzblut dabei bist. Du hast wirklich aus Deinem Hobby einen Beruf gemacht. Ich war das erste Mal mit almoto im Ausland unterwegs. Und ich kenne einige der Anbieter für solche Touren. Für mich war/ist almoto der beste Anbieter!!!
      Bei dieser Tour war es zusätzlich auch noch eine super Truppe die Klasse zusammen passte!!! Vom Fahrstil bis zu den schönen Abenden. Wäre wirkich super wenn wir es alle noch mal schaffen würden zusammen eine Tour zumachen. Da wäre mir das Ziel egal. Hauptsache mit Euch. Viele liebe Grüße an Euch alle und besonders an Manuela.

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