Kurze Erholung vom Hochwasser

1Das Jahr 2013 zählt definitiv nicht zu den Jahren in unserem Business, was es gut mit uns meint. Seit April spielt das Wetter verrückt und es will einfach nicht aufhören zu regnen. Der Winter hält sich hartnäckig und ich frage mich ernsthaft, wofür Meteorologen in diesem Land bezahlt werden. Sollte der Winter doch schnell vorbei sein und der Hochsommer folgen. Auf den sogenannten Hochsommer haben wir bisher vergebens gewartet!

Nein, es sollte noch viel schlimmer kommen, Winter ade und ab dem Tag Dauerregen, nicht 1 Woche, nicht 2 Wochen, nein 4 Wochen am Stück ohne Pause! Was dann folgt war fast klar, wo soll das Wasser hin wenn nicht flussabwärts und flussbreitwärts. Nicht nur das Wasser ging abwärts, auch unsere Touren gingen abwärts. Mittlerweile mussten wir die 10. Tour wegen Kälte, Dauerregen und drohendem Hochwasser absagen.

Was überraschend gekommen ist, war der Wintereinbruch in Spanien. Stell dir vor, du buchst eine Motorradtour in Spanien im Mai und dann kehrt mit deiner Ankunft in Barcelona der Winter zurück! Eigentlich unvorstellbar, unsere Gäste mussten das erleben und trotz Schnee gab es doch ein paar sonnige Tage mittendrin und schöne Motorradtouren. Alles in allem ist das nicht wirklich schön, wir haben es bis jetzt durchgestanden. Resignieren mussten wir erst vor knapp 2 Wochen, als unsere Heimat Sachsen von einer furchtbaren Flut heimgesucht wurde. Hatten wir schon jede Menge mitgemacht in diesem Jahr, so war nun der Zeitpunkt gekommen, wo gar nichts mehr ging. Die Durchführung unserer Touren in Sachsen waren schier unmöglich, alle guten Strecken waren gesperrt wegen Hochwasser. Wir selber wohnen in Elbnähe und wussten was auf uns zukommt, hatten wir es 2002 bereits mit erlebt. Jetzt war es an der Zeit sich selber zu schützen und das haben wir zum Glück rechtzeitig getan.

Das Wasser kam so schnell und mit so einer Wucht, dass wir unsere Motorräder noch retten konnten, der Rest ging sprichwörtlich baden. Wir konnten hier nichts mehr tun und ab sofort halfen wir dort, wo wir noch helfen konnten. Es war eine Zeit im Dauereinsatz und es war eine Zeit, die wir nicht missen möchten. Tausende Menschen waren unterwegs als Helfer, Helfer die gegen das steigende Wasser kämpften um zu retten, was zu retten geht und das bis zur völligen Erschöpfung. Sehr oft kämpfte ich persönlich mit den Tränen, Tränen der Bewunderung und der Ratlosigkeit. Wir kämpften von früh bis spät gegen das Wasser und dieser Kampf war nicht umsonst! Er hatte sich gelohnt und die Solidarität, die wir hier erleben durften war so einmalig und unbeschreiblich, warum kann das nicht immer so sein?

Ich wäre gern jeden weiteren Tag dabei gewesen um zu helfen, irgendwie muss trotz allem das Geschäft weiter gehen. Aus dem Grund konnte ich nun nicht noch eine Tour absagen und machte mich auf den Weg ins Sauerland. Hier warteten 7 Gäste, die eine 4-tägige Tour gebucht hatten und immerhin war hier perfektes Wetter.

Die Tour war eine Ablenkung von Dresden, auch wenn ich in Gedanken jede Minute dort war. Es war eine tolle Gruppe und wir hatten viel Spaß. Sie alle wussten um die Situation und hatten vollstes Verständnis dafür, dass ich jede Pause nutzte um Kontakt mit Dresden zu halten, wollte ich doch wissen, wie die Situation zu Hause ist.

Nach wundervollen Tourentagen und einer ebenso phantastischen Gruppe trieb es mich am Sonntag auf schnellsten Wege zurück nach Dresden. Egal wie hoch der Spritverbrauch ist, ich will nach Hause und da muss meine GS nun auch mal mit 180 km über die Autobahn fegen! Es war ein Weg durch Sachsen-Anhalt, wo sich die Lage mehr und mehr verschärfte, denn jetzt kämpften hier die zahlreichen Helfer gegen das Hochwasser. Ehrlich gesagt war das eigentlich klar, Sachsen-Anhalt liegt elbabwärts und alles was an Wasser in Dresden ankommt wird unweigerlich später auch in Sachsen-Anhalt ankommen. Warum sind die hier nicht vorbereitet und machen jetzt Panik, wo es eigentlich zu spät ist? Ich werde es nicht verstehen und kann nur hoffen, dass die Menschen hier schlau genug waren um das Nötigste zu retten. Es war schon 2002 so und warum sollte es jetzt anders sein?

Seit Leipzig regnete es auf meinem Heimweg, es war mir egal, ich wollte einfach nur nach Hause. Angekommen war hier die Lage unverändert, unverändert gut, weil der Pegel nicht mehr stieg, immerhin ein Fortschritt! Unser Haus war voller Wasser bis zum Erdgeschoß, das kannte ich bereits und war nur froh, dass es nicht weiter stieg.

Schon bei meiner Abreise ins Sauerland hatten wir zu Hause keinen Strom und kein warmes Wasser. Genau aus dem Grund hatte ich die letzte Dusche im Hotel besonders intensiv genutzt, wer weiß wann wir wieder in diesen Genuss einer „eigentlich normalen“ Lebenssituation kommen?

Heute 3 Tage später darf ich berichten, dass wir wieder Strom und warmes Wasser haben. In der Zwischenzeit haben uns Menschen unterstützt und wir durften eine warme Dusche in ihren 4 Wänden nutzen, Menschen die wir  bis dahin teilweise noch nicht einmal persönlich kannten. Menschen die freiwillig ihre Hilfe angeboten haben und die wir nur über das Internet kannten.

Ich möchte an dieser Stelle DANKE sagen, DANKE an alle, die so uneigennützig geholfen haben und für die diese Hilfe völlig normal war. Egal in welcher Art sie geholfen haben! Wir haben etwas Besonderes erlebt und sollten das nie vergessen, einen  Zusammenhalt und eine Solidarität die uns keiner mehr nehmen kann. Lasst uns etwas daraus machen und nicht nur in Krisensituationen!

 

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