Meine ersten Motorradtouren in Andalusien 2011

Deutschland hat mich wieder zurück und eine phantastische 7-tägige Tour liegt hinter uns. Anreisetag war vergangener Samstag, die Abreise in Deutschland bei 5 Grad fiel mir nicht schwer, sollte es in Spanien doch bei 17 Grad ein Vielfaches wärmer sein. Angekommen in Malaga, raus aus dem Airport und erste Frühlingsgefühle machten sich breit. Gefühlte 15 Grad, der Duft von Frühling lag in der Luft und die Lust an den kommenden Touren machen einfach nur Lust auf das was kommen sollte.
Die ersten Gäste sollten in knapp 2 Stunden landen, also fix den Mietwagen geschnappt und zu unserer Unterkunft gefahren. Die Ferienhäuser sind über den andalusischen Winter ausgekühlt aber da sämtliche Zimmer über eine eigene Klimaanlage verfügen wurden fix alle Anlagen auf Hochbetrieb geschalten. Schnell die Motorräder aus der Garage am Ferienhaus bereit gestellt und schon ging es wieder zum Airport.
Zurück am Flughafen hieß es nun die ersten Gäste zu empfangen. Die Warterei wurde dieses Mal auf eine harte Probe gestellt, nach 1 Stunde erschienen unsere Gäste, allerdings ohne Gepäck. Dank Air France ist das Gepäck stehen geblieben und jetzt hieß es “improvisieren”. Adresse hinterlassen und erst einmal ab zur Unterkunft. Hier wartete bereits ein kühles “San Miguel” was trotz der Niedergeschlagenheit die Urlaubsstimmung nicht verderben sollte. Der Rest der Gruppe folgte in Kürze, Shuttleservice zwischen Airport und Unterkunft und gegen 18 Uhr waren alle vereint und glücklich vor Ort. Den Abend verbrachten wir gemeinsam in einem wunderschönen Restaurant direkt am Meer und freuten uns auf die kommenden Tage.
Sonntag früh kam der Anruf vom Flughafen, dass das fehlende Gepäck angekommen ist und auf dem Weg zu uns sei. Gegen Mittag waren alle Gepäckstücke da und nun konnten wir gemeinsam zu unserer erste Tour starten. Der Zeitverzug war zum Glück kein Problem da wir für die erste Tour eine kleine Runde von 170 km vorgesehen hatten. Das Wetter war bewölkt und wir fühlten uns wohl bei milden Temperaturen um die 17 Grad. Recht schnell ging es in die Berge und endlose Kurvenstrecken auf griffig asphaltierten Straßen waren der optimale Einstieg in die neue Saison. Die erste Pause bei einem typischen “Cafe con Leche” ließ uns wirklich hier ankommen und die Spannung stieg – vor allem auf alles was noch folgen sollte. Unser nächster Stopp war Ronda, eine kleine und sehr interessante Stadt mit der ältesten Stierkampfarena Spaniens. Auch wenn heute nur noch zu wenigen, ausgewählten Feiertagen ein Stierkampf stattfindet ist hier der “Kampfgeist” noch deutlich zu spüren. Wir genießen das Ambiente und entschließen uns recht schnell den weiteren Tag doch eher zum Motorradfahren zu nutzen. Was nun vor uns liegt ist die wohl bekannteste und schönste Motorradstrecke von Ronda nach San Pedro, 40 km beste Straße mit gezählten 378 Kurven bringen uns zurück ans Meer und unser Zuhause für diese Woche. Was für ein Tag! Alle Unannehmlichkeiten mit dem verlorenen Gepäck sind vergessen! Angekommen in unserer Unterkunft stoßen wir gemeinsam mit einem San Miguel auf die wunderschöne Tour an und genießen anschließend einen wunderschönen Abend in einem weiteren Restaurant direkt am Meer.

Der nächste Tag begrüßt uns mit Regen und die zahlreichen Wolken lassen leider keine Besserung der Wetterlage erahnen. Daher entschließen wir uns den tourenfreien Tag auf heute zu verlegen und ganz relaxt zu verbringen. Da wir eine feste Basisunterkunft haben ist das kein Problem und verbringen heute den Tag mit einem Ausflug nach Marbella. Das Mietauto erscheint uns dann doch trockener als die Motorräder.Der spanische Wetterbericht lässt uns hoffen und am nächsten Tag sind die Regenwolken tatsächlich verschwunden. Pünktlich 9:00 Uhr starten wir in Richtung Berge. Vom Regen der vergangenen Monate gefüllte Stauseen, grüne Wiesen und Olivenhaine begleiten uns auf dem Weg über beste Straßen. Es ist erstaunlich wie schnell in Andalusien neue Asphaltbänder entstehen, wo vor 6 Monaten noch alte “Holperpisten” vorhanden waren. Kleine Cafes laden zum “Cafe con Leche” ein und wir fühlen uns einzigartig! Der Duft des erwachenden Andalusiens liegt in der Luft und sehr oft sind wir kilometerlang allein unterwegs. Am Stausee Guadalhorce erleben wir das seltene Schauspiel wo das Wasser mit riesigen Fontänen abgelassen wird und ein spanisches Filmteam, welches sich gerade vor Ort befand, meint uns gleich interviewen zu müssen weil wir so begeistert davon waren. Die weiteren Kilometer waren ein ständiges Auf und Ab, kilometerlange Kurvenstrecken in völliger Einsamkeit mit ständig wechselnden Aussichten die zu permanenten Fotostopps animierten waren unser ständiger Begleiter. Zurück in unserer Unterkunft war die Begeisterung der Gäste so hoch, dass ich mir nicht ausdenken mochte was die kommenden Tage noch folgen sollte, war das doch nur ein Anfang von allem!
Der kommende Tag begrüßte uns mit fast wolkenlosem Himmel und heute solle es durch die Sierra de Grazalema gehen, eine meiner Lieblingstrecken. Allein die ersten 40 km nach Ronda sind schon ein Highlight! Gestartet sind wir bei 16 Grad an der Küste und auf 1200 Meter Höhe erwarteten uns 6 Grad. Danke an BMW und dem technischen Fortschritt Heizgriffe! Schnell ging es wieder bergab und wärmeren Temperaturen entgegen! Was jetzt folgte war das “Non plus Ultra” für jeden Motorradfahrer! Entlang dem Stausee Zahara el Gastor erwartete uns ein endloses Asphaltband wo uns nach jeder Kurve ein perfektes Panorama begrüßte, blauer Himmel und Berge die sich im Wasser widerspiegeln wollten fotografiert werden. Der kommende Taubenpass mit unendlichen Kurven lud ständig zu Fotostopps ein. Hier gibt es nur eine Möglichkeit: entweder die Strecke erfahren und Kurvenspaß pur erleben oder nach jeder Kurve die Aussicht genießen und zahlreiche Fotostopps einlegen. Wir entschieden uns dafür öfters anzuhalten, Fotos zu machen und die einmalige blühende Landschaft zu erleben. Auf unserer Tour über den Pass begegneten uns insgesamt 5 Radfahrer und 2 Autos, wo kann Motorradfahren noch so einsam sein? In der Sierra Grazalema erlebten wir die typischen Eichelschweine, Ochsen die uns den Weg versperrten weil wir in ihr Revier eingetreten sind und Bergziegen, die keine Motorradfahrer kennen. Nach endlosen Kurvenstrecken durch sie Sierra, wo man sich auch mal wieder ein Stück geradeaus wünscht, machten wir einen kurzen Stopp zum Verschnaufen. Unsere Steffi blieb auf dem Motorrad sitzen und wollte nicht absteigen. Also hin und gefragt ob alles in Ordnung sei. Steffi meinte nur, dass sie sich gerade eine Träne aus den Augen wischen musste weil es unfassbar ist was sie bisher erlebt hatte. Das war auch für mich ein Moment wo mir bewusst wurde wie schön es sein kann das gemeinsame Hobby Motorradfahren mit anderen zu teilen und für einige Zeit vom Alltag abzuschalten. Jeder Tag bringt neue Erlebnisse mit sich und macht diese Art des Reisens immer wieder spannend?
Die kommenden Tage zeigte sich Andalusien von seiner besten Seite. Die Temperaturen stiegen täglich und immer wieder entdeckten wir neu asphaltierte Straßen, die im letzten Herbst so noch nicht vorhanden waren. Wie schaffen das die Spanier in so kurzer Zeit und was machen wir Deutschen bei uns falsch? Egal! Das einzige was zählt ist hier zu sein und all das zu erleben!
Am letzten Tag unserer 1-wöchigen Tour fuhren wir nach Gibraltar und erlebten dort das wahre „Affenspektakel“. Der Besuch auf dem berühmten „Rock“ mit seinen freilebenden Affen war ein gelungener Abschluss und schnell noch einige zollfreie Einkäufe getätigt ging es wieder zurück.
Nachdem unsere Motorräder sicher in der Garage verpackt wurden hieß es nun langsam Abschied nehmen. Ein letzter Abend in lustiger Runde, ein letztes Abendessen in unserem Lieblingslokal am Meer und eine letztes San Miguel in dieser herrlichen Umgebung. Der Abschied wird uns wahrlich nicht leicht gemacht!
Am nächsten Tag heißt es früh aufstehen, die ersten Gäste müssen zum Flughafen. Ein phantastischer Sonnenaufgang über dem Meer begleitet die erste Fahrt dahin und macht es uns nicht wirklich leicht. Der Abschied fällt uns allen schwer und gegen Mittag zeigt das Thermometer satte 25 Grad. Warum macht Andalusien es so schwer? Der Mietwagen ist abgegeben, das Gepäck auch und so ist noch Zeit ein paar letzte Minuten im Außenbereich des Flughafens den vergangenen Tagen nach zu träumen. Andalusien wir sehen uns definitiv wieder!

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