Viva Italia und der Kampf gegen die Hitze

1reiseblogUnd hier ein weiterer Reisebricht von unserem Tourguide Herbert zur Tour 8 Tage Trentino.

Heißes Sommerwetter, 35 Grad, die Klimaanlage im PKW auf der Anfahrt gab ihr Bestes. Ich muss gestehen, dass ich auch gern die Option nutze mein Motorrad auf dem Hänger zum Anreisehotel zu transportieren, ich kann es mir erlauben und es ist auch gut so. Mein Motorrad wird genug Km auf dem Zähler haben und in meinem Alter darf „Mann“ es auch durchaus etwas bequem haben.

In Oberammergau angekommen trafen sich die Tourteilnehmer zur großen Trentinotour, zu einer wahrlich heißen Tour.

Gleich ein paar Highlights am Anfang, das Berwanger und Namloser Tal wird immer gerne genommen genauso wie das anschließende Hahntennjoch. Dann dichter Verkehr in Imst und im Ötztal. Wollen die alle zum Timmelsjoch? Klar, wir doch auch. Oben angekommen vertilgten wir Hermine’s (Künstlername) mitgebrachte Nußecken. Nicht alle, die allerletzten gingen als Gabe an freundliche Italiener. Dann ging es hinab, 2000 Höhenmeter tiefer empfing uns eine mörderische Hitze im Passeier Tal. Nicht einmal der Fahrtwind auf der Schnellstraße zwischen Meran und Bozen brachte Linderung. Also rechts raus, und den Mendelpaß hoch. Eine echt tolle Kurvenstrecke hoch zum Pass, dann am Penegal ein Kaffee mit Aussicht. Einfach klasse diese Aussicht hinunter auf Bozen. Hier oben ließ es sich wieder aushalten, es ging etwas Wind. Aber wir wollten ja auch mal ankommen, es half alles nichts, wir mussten wieder runter ins heiße Etschtal. Gottseidank gab es im Hotel mehrere Möglichkeiten der Abkühlung. Baden im Hotelpool, baden im nahen See oder ein kühles Stiefelbier. Letzteres hatten wir uns redlich verdient.

Nächster Tag, unser erster Fahrtag vor Ort. Gnadenlos die Sonne, also mussten wir wieder in die Höhe. Über Lavarone durch das Etschtal rauf auf den Monte Baldo, ein erster Cappucino mit Blick auf den Gardasee, dann wieder durchs Etschtal in die Lessinischen Berge. Mir läuft heute noch das Wasser im Mund zusammen wenn ich an die tollen Spaghetti mit Knobisoße denke. Dann folgte ein nicht enden wollendes Kurvenfeuerwerk durch die Berge. Mit Geraden tun sich die Italiener echt schwer, ich glaube die können nur Kurven bauen. War uns gerade recht. Gottseidank ist diese tolle Motorradgegend unbekannt, so hatten wir all die tollen Kurven für uns alleine. Es war absolut nichts los, man erschrak geradezu wenn man mal ein Auto sah. Über den Pasubio runter nach Rovereto, rauf nach Serada, übrigens die schönste Auffahrt auf die Hochebene von Lavarone. Dann noch der Kaiserjägersteig und endlich konnte man raus aus den verschwitzten Klamotten.

Der nächste Tag sollte uns zum Monte Grappa bringen, mein Lieblingsberg. Leider war es mit der versprochenen Aussicht nichts, der Gipfel war meist in Wolken, gottseidank verhüllten diese aber auch die Sonne. Rissen die Wolken auf war es sofort wieder heiß, sogar hier in 1700 m Höhe. Dann ging es runter in die Poebene. Mit jedem Höhenmeter, den wir verloren, stieg die Hitze auf zuletzt unglaubliche 39 Grad. Gehts noch? Unglaublich, ich kann mich nicht erinnern schon mal derart geschwitzt zu haben. Das Mineralwasser floss einfach durch, der nächste Pass brachte keine Linderung. Klar, es ging ja auch kaum hoch, trotzdem ist der Passo San Boldo ein Muss. Solch eine unglaubliche Streckenführung gibt es nur hier. Erst fährt man wie gegen eine Wand, dann gibt es eine Strecke im Zickzack die Wand hoch, die Kehren jeweils als Kehrtunnels in den Fels geschlagen. Dieser Pass heißt auch ‚Pass der 100 Tage‘, dies deshalb, weil dieser Pass in dieser kurzen Zeit von bis zu 1400 Arbeitern gebaut wurde. Damals während des 1. Weltkrieges als Versorgungsweg für die Truppen. Im Anschluss gaben wir uns der Sonne geschlagen und strichen den Rest der eigentlichen Tour. Noch nie zuvor war ich nach einer Tour derart platt. Gottseidank regnete es in der Nacht, so dass die Mörderhitze erst mal vorbei war.

Regen noch am nächsten Tag, so wurde eine neue Runde kreiert. Naß werden wollten wir nicht, wurden wir auch nicht. Wir hatten richtig Glück, zwar waren zeitweise mal die Straßen naß, von oben blieben wir verschont. Tja, man muss auch mal Glück haben, oft genug ist es anders herum. Heute ging es mal auf schnellere Straßen. Durch die Gegend der ‚Sette Cumini‘ (sieben Gemeinden) ging es es nach Enego, dann rüber zum Rollepass, ein spaßiger, gut ausgebauter Pass auf dem man die Rasten richtig schleifen lassen konnte. Als letztes stand der Manghen auf dem Plan. Herrliche Landschaft, wenig Verkehr, allerdings drohte der Himmel mit Wasser von oben so dass wir den Besuch der Manghenhütte verschieben mußten.

Unser letzter Fahrtag vor Ort, heute wartete die Königsetappe auf uns. Gleich zu Beginn eine der besten Kurvenstrecken der gesamten Alpen, der Monte Bondone. Sie wollen einfach nicht aufhören, Kurve folgt auf Kurve, kaum Verkehr und allerbester Asphalt. Bikerherz, was willst du mehr? Am Ledrosee vorbei war das nächste Tal schnell erreicht. Mittag in Bagolino. War der Wirt nicht klasse? Köstliche Spaghetti, Zitronengrappa (ok, es war nur ein halber, schließlich fahren wir Motorrad) und diese Herzlichkeit. Er ist meine Nr. 1 in Italien. Dann folgte der Maniva, eine Herausforderung. Eine aberwitzige Streckenführung, teilweise nur geschottert, trotzdem auch mit Straßenmotorrädern problemlos zu meistern. Jeder der diese Etappe mitfuhr war am Ende froh dabei gewesen zu sein. Stimmt es Hermine? Dann ruckzuck rauf nach Capovalle, ein kurzer Fotostopp an der untertunnelten Kirche, das Kurvenfeuerwerk entlang des Valvestinostausees und schon kam er in Sicht, der Gardasee. Herrlich die Aussicht auf den Lieblingssee der Deutschen während der Abfahrt. Aber auch das ließ sich noch toppen, kurz nach der Brassaschlucht von der Schauderterasse. Schwindelfrei sollte man schon sein wenn man die 400 m runter schaut, senkrecht wohlgemerkt.

Leider habe ich noch keine Umgehung für den Verkehr in Torbole gefunden, aber auch das geht vorbei, die Auffahrt nach Serrada entschädigt wieder durch herrliche Kurven.

Unser letzter Tag, der Tag der Heimfahrt begann schon mit einem Erfolgserlebnis. Endlich hatten wir die Schlacht am Eierkocher gewonnen. Dann sollte es gleich der Manghen sein. Vorgestern mussten wir noch vor einem Gewitter flüchten, heute hatten wir endlich die Gelegenheit für einen Espresso in der Hütte. Das Lavazzejoch nördlich von Cavalese ist eigentlich nichts besonderes, jedoch hat man hier herrliche Aussichten auf die schönsten Berge der Dolomiten. Das früher aufregende Eggental wurde leider durch einen Tunnel entschärft. Der flotte Ritt auf den Ritten oberhalb von Bozen entschädigt dafür wieder. Durch das fast leere Sarntal war das Penser Joch schnell erreicht. In Sterzing hat uns die Wirklichkeit wieder. Viel Verkehr rauf zum Brenner und weiter bis zu unserem Ausgangshotel in Oberammergau.

Nach einer Vielzahl von unterschiedlichen Eindrücken und Erlebnissen ging unsere Tour zu Ende. Mir hat es sehr gefallen mit Euch, sicher konnte ich Euch auch für ‚mein Trentino‘ begeistern. Ich liebe diese tolle Gegend, man kann sich hier schwindlig fahren. Ok, am Wetter werde ich noch arbeiten, bei der nächsten Tour ist es aber sicher nicht mehr so heiß. Ihr fahrt doch wieder mal mit, oder?

Euer Herbert

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