4 Tage Perlen der Alpen

2 Wochen liegt diese Tour zurück und hier gibt es den Reisebericht von unserem Tourguide Herbert zu dieser wundervollen Tour.

Wunderschöne Augusttage liegen hinter uns. Eigentlich spricht nichts dagegen den August im Chiemgau/Salzburger Land sonnig ausklingen zu lassen, wäre da nicht der Wetterbericht: Temperatursturz und ergiebige Regenfälle sind angesagt. Ok, der Wetterbericht ist ja sooo zuverlässig auch nicht, vielleicht irrt er sich ja auch. Die Anfahrt (aus Termingründen mit PKW und Motorrad auf dem Anhänger) verlief ohne Zwischenfälle bei schönstem Wetter, die Klimaanlage lief ununterbrochen. Ohne Zwischenfälle? Nicht ganz, in der Holledau meinte eine Ingolstädter Zivilstreife dass ich doch recht zügig mit meinem Anhänger unterwegs sei. Nicht aufgepasst, selbst schuld, aber die angedrohten 70 Euro werde ich irgendwie verschmerzen.

Angekommen in Piding waren die ersten Tourteilnehmer schon da, die Runde um den Tisch im Garten wurde größer bis schließlich alle versammelt waren. Irgendwann fing es auch ein bisschen zu regnen an, alle hofften aber dass es nicht so dolle kommt, war es doch noch angenehm warm.

Am nächsten Morgen hofften alle immer noch, rechtzeitig zum Tourbeginn wurde es nass und nässer. Trotzdem, wir fuhren loß, schließlich hatte ich den Tourteilnehmern noch am Vorabend erklärt wo wir langfahren und was wir uns anschauen wollten.

Bei unserem ersten Stopp, eine Kaffeepause in Chieming am schönen Chiemsee. Eine verständnisvolle Wirtin verwöhnte uns mit Kaffee und Kuchen, ihr machte auch nichts aus dass wir ihr wunderschön am Ufer gelegenes Cafe stark einnässten. Der Himmel rundherum grau, und doch bildete ich mir ein, in der Richtung die wir nun fahren wollten, nämlich nach Osten, eine gewisse Aufhellung zu erkennen. Die Aufhellung bewirkte aber nur eine Änderung von Starkregen in Normalregen. Der nächste Stopp in Burghausen, wir hatten wieder Glück, eine motorradbegeisterte Bedienung verwöhnte uns mit bayerischen Schmankerln. Die Besichtigung der größten Burganlage Europas fiel aus, wir hinterließen wieder reichlich Pfützen im Lokal und so machten wir uns auf die Landesgrenze nach Österreich zu überqueren. Dann das erste Positive: Der Spritpreis bei unseren Nachbarn liegt etwa 10% unter unseren. Auf eigentlich wunderschönen kleinen Straßen näherten wir uns Oberndorf um von da aus die Anhöhe zu erklimmen wo einst die Kaiserbuche stand. Einen tollen Aussichtspunkt hatte sich Kaiser Franz Josef damals ausgesucht, eine tolle Aussicht über die Seenlandschaft, wirklich toll, leider aber nicht heute.

Genau hier meinten meine tapferen Mitfahrer ob es nicht sinnvoller wäre, die Tour hier an diesem Punkt abzubrechen. Ich wehrte mich nicht, ich war sowieso schon überrascht über die Nehmerqualitäten meiner tapferen Mitfahrer. Mir machte das nichts aus, Regen von allen Seiten, wenig Sicht, nass bis auf die Haut war ich schon öfter, da es aber meinen Mitfahrern reichte freute ich mich doch mich dieser Meinung anzuschließen. Die Rückfahrt gestaltete sich dann doch noch etwas zäh, leider kamen wir in den Salzburger Berufsverkehr sodass wir im stopp-und-go-modus uns heimwärts quälten. Diese Gangart stellte sich für ein Motorrad einer deutschen Premiummarke als weniger geeignet, es kam also zur langsamen Gangart noch eine weitere Zwangspause hinzu um der Kupplung die Gelegenheit zum Abkühlen. Ausnahmslos triefend trafen wir wieder im Hotel ein. Was aber nun mit triefender Bekleidung tun? Wie wird das wieder trocken bis zum Morgen? Unser Wirt stellte uns seinen Heizraum zu Verfügung, leider nutzte der aber herzlich wenig wenn die tropfenden Utensilien der ganzen Mannschaft zum trocknen ansteht. Laminatbekleidung sollte eigentlich wasserdicht sein. Stimmt, das Wasser welches innen ist geht so leicht nicht wieder raus. Die Bekleidung auf links zu drehen verbesserte die Situation nicht, am nächsten Morgen war alles noch klamm, die Handschuhe sogar noch richtig nass. Lediglich meine Motorradstiefel konnte ich durch permanenten Wechsel des zum trocknen reingestopften Papiers in einen einigermaßen brauchbaren Zustand bringen.

Der nächste Morgen, der Himmel grau rundum, aber die Straßen waren trocken. Die Stimmung beim Frühstück hellte sich deutlich auf, aber dann, kurz vor der geplanten Abfahrt, wieder öffnete der Himmel seine Schleusen. Also Alternativprogramm: Auf eine Shoppingtour nach Salzburg-City hatte niemand Lust, nicht zuletzt aufgrund der tags zuvor gemachten Erfahrungen mit dem Salzburger Verkehr. Aber, es gibt doch den Hangar 7, die sog. Red-Bull-Halle am Salzburger Airport. Da war noch keiner gewesen, ich hatte ja mein Auto dabei, gottseidank ist ein Zafira ja ein 7-Sitzer und ab die Post. Dieser supermoderne Flugzeughangar ist auf jeden Fall ein Besuch wert. Ausgestellt sind diverse Formel-1-Boliden, mehrere Motorräder sowie eine Anzahl interessanter Fluggeräte. Und, quasi als Highlight des Tages, der Eintritt in diese überaus sehenswerte Ausstellung ist umsonst. Heutzutage eigentlich unfassbar. Die Zeit verging wie im Flug, wir merkten kaum dass es tatsächlich heller wurde und der Regen aufhörte. Also zurück zum Hotel und einen weiteren Startversuch gewagt. Die Straßen waren zwar noch nass, dann nur noch feucht und schließlich trocken. Ich hatte Hoffnung als erstes Highlight die Roßfeldringstraße fahren zu können. Die tiefhängenden Wolken schienen das aber zu verhindern, schließlich bestätigte die freundliche Dame an der Mautstelle meine Vermutung: ‚Spart’s euer Geld, kommt andermal wieder wenn’s koan Nebel hat, dann seht’s auch was!‘

Also hinab nach Hallein und weiter Richtung Pass Gschütt. Die Postalm war leider nicht möglich weil auch zu hoch bzw. die Wolken zu niedrig und so ging’s mit flottem Reifen zum Hallstädter See. Leider auch dort das gleiche Bild, die Wolken zu niedrig, so fiel auch der geplante Besuch der 5 Finger, einer Aussichtsplattform für Wagemutige am Hallstädter See, dem Nebel zum Opfer. Das machte aber den Tourteilnehmern gar nichts aus. Was war das, lugte da nicht das erste Grinsen aus manchem Helm? Endlich fahren, endlich trockene Straßen. Also weiter nach Norden. Wieder ging es flott voran, wenig Verkehr auf bestens ausgebauten Straßen zum Traunsee, von da über einen Höhenzug zum Attersee, schließlich wieder nördlich auf den Gahberg. Hier handelte es sich wieder um einen tollen Aussichtsberg, leider war der aber zu hoch, die Wolken zu niedrig (oder beides). Den nächsten Stopp um die hungrigen Mägen zu füllen erreichten wir im Nebel. Als Ersatz für die wegen Nebel nicht vorhandene Aussicht gab’s köstlichen Kaiserschmarrn, für manche Mitfahrer eine neue Erfahrung. Dann wieder hinab, die Sicht wurde besser, es wurde Zeit für den Rückweg. Wir waren spät gestartet und es war schon nach 17 Uhr. Salzburg wollten wir uns nicht erneut antun, und so ging es auf kleinen Sträßchen und landwirtschaftlichen Versorgungswegen kreuz und quer nach Lauffen und schließlich zurück zum Hotel. 19.30 Uhr, Helm ab, und da war es wieder: Das Grinsen in den Gesichtern der Mitfahrer wie ich es gewohnt bin. Auch hier nochmal: Lob an die tolle Truppe, es wurden noch 290 km ab Mittag bis zum Abend, aber der Tag machte so einiges wieder gut was uns der vorangegangene Tag vermießt hatte. Alle sind tapfer gefahren, schließlich gab es ja nur einen längeren Stopp, aber so konnte wenigstens jeder fahrerische Erlebnisse mit nach Hause nehmen.

Trotz des bescheidenen Wetters wird mir diese Tour in Erinnerung bleiben. Nette Leute kennen gelernt und selten so nass gewesen. Ich würde mich freuen, den einen oder anderen bei einer der nächsten Touren wieder zu sehen. Ich bemühe mich dann auch um besseres Wetter. Versprochen.

Allseits Gute Fahrt, Euer Herbert!

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