Meine persönliche Trucker Geschichte

IMG_4455Seit genau 12 Monaten haben wir unseren Mercedes Sprinter, laut Vertrag mit einer jährlichen Kilometerlaufleistung von 35000 Km, heute schon 55000 km auf dem Tacho! Ich mag  gerade nicht darüber nachdenken was das bedeutet, ich weiß wir sind viel unterwegs gewesen, haben viel erlebt und wahrscheinlich könnte ich mit meinen Geschichten Bücher füllen.  Mir fehlt die Zeit denn die gehört unseren Gästen mit denen wir wöchentlich auf Tour sind.
Bei meinem letzten Besuch in der Werkstatt von Mercedes fiel mir ein Flyer in die Hände, „Trucker Geschichten gesucht“. Trucker? Bin ich das wirklich? Eigentlich schon, auch wenn die LKW Fahrer sicher von oben auf uns herabschauen, aber in der Seele gehören wir zu ihnen! Wie oft war ich auf dem Weg von Deutschland nach Spanien, mit jeder Tour wurde die Strecke kürzer und mit jeder Tour hatten wir tolle Erlebnisse. Trucker helfen sich in der Not, Trucker machen dir den Weg frei und haben immer ein nettes Wort für dich wenn du gerade auf einem Rastplatz stehst, weil dein Fahrtenschreiber sagt “ Heute nicht mehr“. Ich sitze in meiner Werkstatt, warte auf die Reparatur und warum soll ich diese Zeit nicht nutzen dem Aufruf zu folgen.

Was ist meine Trucker Geschichte? Was war so erlebnisreich um es niederzuschreiben? Es gäbe unzählige Geschichten aber ein Erlebnis wird mir wohl noch sehr lange in Erinnerung bleiben.

 

Ich bin kein ständiger Trucker, ich bin Reiseveranstalter für organisierte Motorradtouren europaweit und werde dadurch gelegentlich zum Trucker.  Für unsere europaweiten Motorradtouren bieten wir den Gästen die Möglichkeit an ihr Motorrad und Gepäck an den Zielort zu transportieren.  Das wird gern in Anspruch genommen und dadurch beweg ich mich mit meinem Mercedes Sprinter und einem 6 Meter Anhänger öfters durch Europa. Meine Lieblingsstrecke ist Spanien, warum? Weil ich sie schon so oft gefahren bin und mit jedem Mal erscheinen mir die 3000 km kürzer. Die Temperaturanzeige im Sprinter steigt stetig und mit jedem Abschnitt erlebe ich ein Stück Heimat.  Ich freue mich darauf in den Süden zu fahren, kenne die Strecke schon im Schlaf und jede Übernachtung auf den Rastplätzen macht irgendwie Spaß.  Ankommen, ein Bierchen trinken, eine Kleinigkeit essen und entspannt noch eine DVD schauen. Am nächsten Morgen schön duschen gehen, ein frisches Baguette kaufen, gemütlich frühstücken und weiter geht’s.

In den ersten Jahren bin ich mehr oder weniger NON Stopp gefahren, die Zeit drängte, ich will ankommen und völlig fertig kam ich dann auch in Spanien an. Jetzt sehe ich das viel entspannter, ich fahre was geht und wenn die Müdigkeit kommt suche ich mir einen Rastplatz aus und entspanne bis zum nächsten Morgen.  Wir sind bei den Touren immer zu zweit, die vorgeschrieben Fahrtzeiten lassen mich sonst nicht rechtzeitig ankommen. Ein Mercedes Sprinter bietet sicher nicht den Komfort wie ein echter Truck, trotzdem fühlen wir uns darin wohl. Normalerweise schlafen wir im Auto und das kann auch Spaß machen, sollten wir aufgrund der Vielzahl an Motorrädern dort keinen Platz mehr haben schlagen wir neben dem Auto unser Zelt auf.

Meist parken wir  zwischen all den vielen Truckern, wir sind sicher nicht so groß aber zu groß für einen PKW Stellplatz. Wir sind gern Trucker und fühlen uns in dieser Gemeinschaft sehr wohl. Was wir inzwischen gelernt haben? Parke niemals neben einem LKW mit Tiefkühlware. Die lassen ihre Motoren die ganze Nacht laufen und machen einen Höllenlärm, ich will doch nur ein wenig schlafen und wie soll das bei dem Lärm gehen?

Jede Strecke bringt neue Erfahrungen mit sich und woran ich mich wohl ewig erinnern werde ist meine Rücktour von Spanien nach Deutschland letztes Jahr im Juli.  Wir waren 1 Woche in Galicien  mit Gästen unterwegs. Wir hatten phantastische Touren erlebt und waren mitten in der Fußball WM. Deutschland ist gegen Spanien rausgeflogen, wir haben das mit tausenden Spaniern in Santiago de Compostela  gefeiert, auch wenn es für uns als Deutsche ein schwerer Schlag war. Was soll´s, wir sind fair und freuten uns gern mit den Spaniern.  Zum Finale waren bereits auf dem Rückweg nach Deutschland und zu gegebener Zeit entschieden wir uns auf einer französischen Raststätte Halt zu machen. Unser Auto war voll beladen und daher suchten wir uns einen Stellplatz mit ein wenig Grünfläche um dort unser Zelt aufzubauen.  Es war 19 Uhr und noch immer herrschten Temperaturen um die 30 Grad.  Wir verfolgten das Spiel über das französische Radio und konnten nur anhand der emotionalen Berichterstattung einigermaßen begreifen wie es steht.  Die eine und andere Rückfrage bei den Truckern in unserer Nähe hielt uns auf dem Laufenden.  Wäre ich der französischen Sprache mächtig wäre uns dieser Abend so niemals passiert. Schon lange Zeit vor unserem Halt zeigten die Leuchttafeln auf den französischen Autobahnen den Hinweis „METEO ALERT“, gut ich verstehe kein Französisch dafür aber englisch. Würde ich es übersetzen wollen wäre das für mich ein Hinweis auf ein Unwetter. Wie gesagt ich konnte es nicht übersetzen und das Wetter war einfach perfekt, Sonne, Hitze und wo soll hier ein Unwetter herkommen?

Hätte ich es nur besser gewusst! Der finale Sieg von Spanien wurde mit Dauerhupen gefeiert und irgendwie waren alle Trucker glücklich. Auch wir freuten uns für Spanien und nach einem letzten Bier ging es ins Zelt zum Schlafen. Mitten in der Nacht, ich schätze es war gegen 4 Uhr morgens wurde ich wach durch Gewitter.  Ok die sind noch weit weg und uns kann nichts passieren. So schnell wie ich darüber nachdachte kam das Gewitter näher. Die Abstände wurden kürzer, die Einschläge immer heftiger und als es rechts und links im Sekundentakt knallte entscheid ich mich das sichere Auto vorzuziehen. Gesagt getan, mein Partner neben mir meinte im Halbschlaf er kommt gleich nach. Kaum im Auto angekommen ging das Unwetter richtig los. Keine 5 Meter Sicht mehr waren gegeben, Sturm, Regen und rechts und links heftige Blitze. Mir wurde himmelangst und obwohl unser Zelt nur 5 Meter vom Auto entfernt war konnte ich nichts mehr sehen. Da liegt mein Partner drin und ich muss ihm helfen, schoss es mir durch den Kopf. Ich öffnete die Autotür und in dem Moment flog sie völlig unkontrolliert davon, ich hinterher und bis heute weiß ich nicht wo ich die Kräfte hernahm um mich irgendwie an der Tür festzuhalten. Ich sah dass unser Zelt völlig zerstört war und wie eine Kugel anfing über den Rastplatz zu rollen, mitten drin mein Partner. In solchen Situationen entwickelt man Kräfte die man nicht vermutet und ich rannte für unser Leben dem Zelt hinterher um meinen Partner zu retten. Irgendwie gelang es mir ihn aus diesem Etwas herauszuholen, das Zelt mit samt seinem Inhalt festzuhalten und in Richtung  Auto zu ziehen, ein unglaublicher Kampf mit all diesen Naturgewalten. Wir konnten es nicht fliegen lassen, hier waren all unsere Habseligkeiten drin! Am Auto angekommen, Schiebetür auf, Zelt rein (zumindest das was von dem Zelt noch übrig war) und schnell ins Auto. Völlig durchnässt, vom Schrecken des noch immer tobenden Gewitters völlig starr war das unsere Zuflucht. Das gesamte Auto wackelte vor sich hin und das Einzige was wir an trockenen Sachen hatten waren 2 Handtücher.  Wir warteten über 1 Stunde in diesem Chaos bis es endlich vorbei war. Das Fazit der Geschichte: Wir hatten keine trockenen Sachen mehr, das nasse Zelt im Auto hatte alles andere durchnässt und vom Zelt war nicht mehr viel übrig. Für den nächsten Stopp mussten wir uns ein Hotel suchen, Sachen trocknen und das ganze mental verarbeiten.

Ich werde diesen Tag niemals vergessen und frage mich heute noch immer warum Hinweise auf Autobahnen zu anstehenden Unwettern nicht i n englisch bekannt gegeben werden können. Französisch ist keine Weltsprache, auch Deutsch ist es nicht. Ein Trucker ist in der ganzen Welt unterwegs und kann nicht wirklich jede Sprache beherrschen. Warum also nicht in der Weltsprache Englisch? Das könnte es zumindest einfach machen.

Ich freue mich bereits heute schon auf meine nächste Tour und wenn ihr Trucker mal einen Mercedes Sprinter mit Motorrädern auf dem Hänger neben euch stehen habt, dann sind wir in euren Augen sicher nur ein ganz kleiner Truck, aber glaubt mir wir fühlen uns wie euch: die großen Trucker!

2 comments to “Meine persönliche Trucker Geschichte”
2 comments to “Meine persönliche Trucker Geschichte”
  1. Ich stehe gerade auf einem Autohof an der A96 Richtung Landsberg am Lech, hab grad geduscht bin aber noch nicht muede genug um zu schlafen. Also surfe ich ein bisschen im Internet und stosse zufaellig auf eure Seite.

    Und hab den Bericht mit einem breiten Grinsen gelesen.

    Ich arbeite als Spediteurin fuer Motorradtransporte, bin mit einem 6m Sprinter plus 6m Anhaenger unterwegs. Allerdings nur Deutschland weit. Ich bin letzten Monat zwanzig geworden. Ich fahre im Monat zwischen 8 und 10.000 km. Meine Tachoscheibe zeigt knapp vierhundertfuenfigtausend km.
    Ich bin offiziell, wie ihr, kein Trucker und eben doch irgendwie. Geschlafen wird in der Fahrerkabine auf den Sitzen. Vorhaenge habe ich mir selber dran gemacht. Mit den Lenkzeiten komm ich gut zurecht; da ich jeden Tag viele Kunden anfahren muss kann ich vom Aufstehen bis zum Schlafen gehen arbeiten. Durchschnittlich 15 Stunden am Tag. Besonders jetzt im Sommer. Motorradhochsaison!!!

    Zu meinem Job gehoert nicht nur das Fahren sondern auch das Auf- und Abladen der Maschinen. Von einer kleinen Vespa ueber Kawasaki bis zu einer Goldwing ist alles dabei. Und wenn der Kunde nicht da ist muss ich es eben alleine schaffen. Irgendwie.

    Von Kunden ernte ich oft unglaeubige Blicke, ein verlegenes Lachen und von LKW Fahrern aufdringliche Blicke und anzuegliches Grinsen. Ich bin so froh, dass ich mich hinter den Vorhaengen verschanzen kann. Und wenn ich wegen irgendeinem Fahrverbot meine Zeit totschlagen muss, gehe ich vor Langeweile oft ein.

    Ich hab diese Woche eine Suedtur. Bin heute erst losgefahren und werd bis Samstag unterwegs sein. Insgesamt sind diese Woche 3100km und 31 Motorraeder zu bewaeltigen. Wuenscht mir Glueck dass alles heil bleibt.

    Liebe Gruesse und Gute Nacht
    Niki 🙂

  2. Hallo Niki,
    das hat mich wirklich gefreut, hier deinen Beitrag zu lesen! Hut ab, als Frau in dieser Männerdomaine zu arbeiten, ich bewundere immer wieder die „Truckerinen“ unter uns, und auch wenn du „nur“ einen 6m Sprinter mit einem 6m Anhänger fährst, dann ist das wirklich klasse. Es kommt nicht auf die Größe des Trucks an, sondern auf die persönliche Größe, die FRAU mit so einem Job zeigt! Du musst dich nicht verstecken hinter deinen Vorhängen, ich beobachte auf unseren Transitstrecken öfters die Gemeinschaft zwischen IHR und IHM, da sitzen sie zusammen neben ihren Trucks, spielen Karten oder unterhalten sich einfach nur nett, es ist immer wieder wunderbar anzuschauen.
    Ich habe nie das Gefühl, dass die Großen uns Kleinen mit Mitleid behandeln, ganz im Gegenteil, sie bestaunen uns, geben hilfreich Lichthupe beim Einordnen nach Überholvorgängen und und und… Ich gebe zu, wir machen das nicht jeden Tag aber dafür genießen wir unsere Fahrten, auch wenn ein Leben auf der Autobahn und Raststätten nicht immer ganz einfach ist.
    Vielleicht kreuzen sich ja mal unsere Wege auf einer der Transitstrecken, wenn das passiert, verspreche ich dir alles andere als Langeweile!!!! 🙂
    Lass mir doch mal einen persönlichen Kontakt zukommen, bin neugierig für welchen Anbieter du unterwegs bist. Manchmal haben wir Anfragen, die unsere Kapazitäten überschreiten und dann nehme ich gern deine Hilfe in Anspruch 🙂
    Ich wünsche dir eine unfallfreie Fahrt und wenn du mal eine „Zwangspause“ in der Nähe von Dresden einlegen musst, komm ich gern vorbei:-)
    Liebe Grüße aus dem momentan leider Hochwassergebeutelten Dresden!

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