Unterwegs mit Journalisten

Denke ich zurück an unseren Start vor 9 Jahren war Sachsen als Reiseland für Motorradfahrer noch recht unbekannt bzw. nicht interessant genug. Die Zeiten haben sich geändert und jährlich steigt die Gästezahl für unsere Touren in Sachsen. Nicht nur das, auch unterwegs treffen wir in der Saison zahlreiche Motorradfahrer mit Kennzeichen die beweisen, dass Sachsen wohl doch seinen Reiz hat. Liegt es an den tollen Strecken, zahlreichen Mittelgebirgen, interessanten Sehenswürdigkeiten oder dem Reiz noch einen Hauch „DDR Zeiten“ zu entdecken – die Gründe sind so vielfältig wie meine Heimat, die für jeden Anspruch etwas zu bieten hat.

Für heute hatten sich 2 holländische Journalisten angekündigt, die Sachsen als Motorradregion kennen lernen möchten und mein Job war es sie davon zu überzeugen wie schön es hier ist, um es dann ihren Lesern schmackhaft machen. Auch wenn Holland und Sachsen mehr als 600 km entfernt voneinander entfernt sind ist das noch lange kein Hindernis, auch wir fahren jedes Jahr tausende von Kilometern nur um „Motorrad zu fahren“.

Am Treffpunkt angekommen warteten Arnoud und Richard bereits auf mich, der Tag sollte 22 Grad bringen und wohl auch 100% Adrenalin für 2 holländische Motorradfahrer. Richard mit einer Harley Road King und Arnoud mit einer BMW 1200 GS. Eine interessante Mischung! Ein nettes Hallo, ein kurzer Abriss von dem was heute kommen sollte und schon ging es los. Nachdem Dresden hinter uns lag ging es recht schnell in die Sächsische Schweiz. Da Holland bekannter weise kein Kurvenparadies ist, stellte ich mich auf die Fahrweise ein und bevor wir die erste „Adrenalinstrecke“ befuhren machten wir eine kurze Zigarettenpause. Wir befanden uns auf der spektakulären Bergrennstrecke Hohnstein, die wohl auch Richard mit seiner Harley richtig viel Freude bereitete. Für Motorradfahrer sonst gesperrt und nur momentan wegen Baumaßnahmen auf der Ausweichstrecke geöffnet konnten wir uns den zahlreichen Kurven voll und ganz hingeben. Leider wurde der Fahrspaß durch Fahrbahnmarkierungen und Ausbesserungen der Winterschäden etwas ausgebremst (vielleicht auch nur „leider“ für die beiden?). Die weitere Fahrt durch das Kirnitzschtal eröffnete auch mir neue Einblicke. Befahre ich dieses wunderschöne wildromantische Tal sonst erst ab Mai erlebte ich hier gerade den erwachenden Frühling. Was für eine neue Perspektive! Wo sich sonst eine üppige grüne Flora mit dichtbewachsenen Ufern und Wäldern präsentiert, zeigte sich heute ein zart sprießendes Grün und Weitblicke auf phantastische Felslandschaften, die sonst wohl nur den Wanderern vorbehalten waren. Ich hatte es noch nie so erlebt und das lies mein Herz hüpfen und mir mal wieder bewusst werden, wie schön wir es hier haben.

Unser Ziel war die Festung Königstein, wo wir bereits erwartet wurden. Richard und Arnoud waren begeistert von dem was sie bisher gesehen hatten und kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Bei der kleinen und exklusiven Führung über die Festung erfuhr auch ich eine Menge Neuigkeiten oder besser gesagt Insiderwissen, wer kann schon so viel Geschichten erzählen wie ein Mitarbeiter, der sich hier seit 30 Jahren bestens auskennt?

Mit neuen Erkenntnissen und einem gestärkten Magen ging es weiter nach Glashütte. Der nächste Tagespunkt war die Uhrenmanufaktur bei Glashütte Original. Bereits beim Empfang in diesen heiligen Hallen und dem Ambiente wurde uns sofort bewusst, dass wir hier in den Genuss von etwas ganz Besonderem kommen. Der Hauch von Luxus lag in der Luft und die Möglichkeit einen Einblick in die tägliche Arbeit der Uhrmacher zu bekommen und ihnen dabei noch auf die Finger zu schauen war schon etwas ganz Besonderes! Für mich war Glashütte bisher nur ein Ort, den wir auf unseren Touren durchfahren.  Ich weiß, dass es DER ORT ist, wo die Uhrenindustrie ganz groß ist und trotzdem fuhr ich bisher immer an den großen Firmengebäuden vorbei. Uhren aus Glashütte sind sehr bekannt aber nicht meine Preisklasse. Heute, Stunden später weiß ich, dass hier Uhren gebaut werden die von 5000 Euro bis 100000 Euro kosten, in dieser Manufaktur nur 6000 bis 8000 Stück jährlich produziert werden, 1000 Menschen hier arbeiten (wo Glashütte ja nur 2500 Einwohner hat), es insgesamt 11 Uhrenmanufakturen hier gibt und die Uhren auch die Mondphasen anzeigen. Mondphasen? Warum das denn? Na ja weil es viele Menschen gibt, die nach den Mondphasen leben und denen das wichtig ist. Ok verstanden, auch wenn mir Mondphasen relativ egal sind.

Für mich und die beiden Journalisten war das jede Menge Wissen und musste erst einmal verdaut werden. Eine Kaffeepause später ging es weiter in Richtung Erzgebirge. Die Sonne zeigte sich mit voller Kraft und auch wenn für mich die bisherige Strecke von 130 km ganz alltäglich ist merkte ich, dass es den beiden Jungs doch an den Kräften zehrte. Verständlich, wenn man es nicht gewohnt ist 130 km Kurvenstrecken zu fahren und dabei noch so viel Neues erlebt. Die beiden wollten so schnell es geht in ihr Hotel nach Seiffen und da mich in Dresden schon der nächste Termin erwartete trennten wir uns in Frauenstein. Von hier sind es nur noch 40 km bis zum Hotel und der Weg ist nicht zu verfehlen. Wir verabschiedeten uns herzlich und ich freute mich, dass es Arnoud und Richard so gut gefallen hat.

Ich hoffe beide haben den Weg nach Seiffen gefunden und sind gut angekommen. Was ich Ihnen nämlich nicht erzählt hatte, dass die 40 km erneut eine endlose Kurvenstrecke ist. Ich kann doch nichts dafür, dass selbst Bundesstraßen bei uns in Sachsen mit zahlreichen Kurven versehen sind!

Die Tour hat mir viel Spaß gemacht und wenn zukünftig Motorradfahrer mit gelben Kennzeichen unseren Weg kreuzen werde ich mich immer an die beiden erinnern und mich freuen, dass diese Tour für meine Heimat einen Erfolg gebracht hat!              

 

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