Wie definiert man „Konsum“?

Unter Konsum mit Betonung auf dem „u“ versteht man laut Wikipedia im volkswirtschaftlichen Sinne den Kauf von Gütern des privaten Gebrauchs. Der Konsum mit Betonung auf dem „o“ entspricht einer Marke der Konsumgenossenschaft der ehemaligen DDR.

Ihr fragt euch jetzt sicher wie ich darauf komme, ganz einfach! Ich hatte heute ein paar Wege in der Stadt zu erledigen, das Wetter war gut und von daher entschied ich mich mit meinem Roller zu fahren. Mein erstes Ziel war das World Trade Center, von der anderen Elbseite kommend stand ich hier als Linksabbieger an einer der zahlreichen Ampeln in dieser Stadt. Die Ampel stand auf Rot also wartete ich geduldig. Mein Blick fiel auf das große Werbeschild des hier ansässigen Konsum. Für alle, die damit nichts anfangen können: Konsum ist ein Dresdner Handelsunternehmen mit derzeit 39 Supermärkten und heute in keiner Weise mehr vergleichbar mit dem Konsum zu DDR Zeiten. Für alle „Konsumenten“,  die Discounter einfach nur satt haben und ein gepflegtes „Konsumieren“  erleben möchten bietet sich hier ein modernes und frischeorientiertes Einkaufserlebnis. Ja der Konsum hat sich gewandelt und es macht wirklich Spaß hier einkaufen zu gehen.

 

Noch immer steht die Ampel auf Rot und meine Gedanken schweifen ab. Auch ca. 20 Jahre nach der Wende erinnere ich mich plötzlich  in dem Moment an  vergangene Zeiten, als meine Eltern zu mir sagten „ Lauf doch bitte mal schnell in den Konsum und stell dich an, es gibt heute Bananen zu kaufen“. Ja so war das damals und wir haben uns gern angestellt, viele Dinge gab es auf Zuteilung und wir haben uns immer wieder aufs Neue hinten angestellt, bis es nichts mehr gab. Im Konsum gab es auch lecker Eis am Stiel, Puffreis-Schokolade und vieles mehr was ein Kinderherz erfreute. Ich habe nie wirklich etwas vermisst, ich kannte es ja nicht anders und an den wichtigen Dingen hat es nie gefehlt. Gut ich gebe zu es war schon ein Erlebnis wenn sich meine Eltern zu Feiertagen im „Delikatladen“ eine Dose Mandarinen für 8 Mark leisteten und jede einzelne Mandarine abgezählt wurde damit jeder genau die gleiche Anzahl bekam. Das mag für alle, die nicht aus der DDR sind, absurd klingen aber ich war damals glücklich.

Die Ampel steht noch immer auf Rot und ich habe keine Ahnung wie lange ich hier schon stehe, egal die Erinnerung ist gerade so schön!

Wenn ich jetzt so nachdenke meine ich sagen zu können „Früher war alles viel einfacher“.  Ja das war es aber dafür ist es heute um so schöner und ich zähle mich nicht zu den Menschen die sich diese Zeit wieder zurück wünschen, wirklich nicht! Mischbrot und Pfefferminztee zum Abendessen, der Standard jeder DDR Familie glaube ich, damals als Kind geduldet- heute ein absolutes NO GO meines Speiseplanes. Meine Eltern haben viel getan um uns Kindern auch mal etwas „Außergewöhnliches“ zu bieten, dafür bin ich euch, liebe Mom und lieber Dad, heute unendlich dankbar! Die ganze Familie hat sich Samstags in die Küche gestellt, Kartoffeln geschält, sie zu kleinen Pommes geteilt, trocken gequetscht und dann frittiert – das war echte Handarbeit und hat um so mehr geschmeckt. Ketchup war Mangelware also wurden die Tomaten aus dem Garten ebenso in Handarbeit zu Ketchup verarbeitet. Heute 20 Jahre später mag ich weder Pommes frites noch Ketchup aber die Erinnerung daran zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht.

Ups, die Ampel hat endlich reagiert und zeigt auf Grün. Ich konzentriere mich nun wieder auf meinen Weg und weiter geht’s.

Jetzt wo ich hier sitze und all das niederschreibe fallen mir noch so viele Dinge mehr ein. Ich überlege gerade wann ich meine letzte Dose Mandarinen gekauft habe. Ich kann mich nicht erinnern. Ein Konsumgut was für mich heute keine Bedeutung hat, vor 20 Jahren war es ein besonderes Erlebnis auf dem Speiseplan. Wie schnell können sich die Zeiten ändern! Der Mensch neigt bekanntlich immer dazu genau das haben zu wollen, was er nicht haben kann. In der heutigen Welt des Konsums können wir „Alles“ haben, aber ich will gar nicht „Alles“ haben. Ich mag meinen „Röhrenfernseher“ noch immer und solange er durchhält kommt mir auch kein Flachbildschirm ins Haus. Ich teile die kleinen Dinge des Lebens gern mit anderen Menschen, die es viel nötiger haben. So zum Beispiel die vielen Kinder aus dem Kinderkurheim Dresden-Volkersdorf, die aus einem Land kommen wo der Unterschied zwischen Arm und Reich nicht gravierender sein kann. Sie kommen aus Tschernobyl nach Dresden um sich 6 Wochen zu erholen, sie kommen mit NICHTS und sie gehen mit unheimlich vielen schönen Erinnerungen und kleinen Kostbarkeiten wieder zurück in ein Dasein, was sich keiner vorstellen kann. Kostbarkeiten sind kleine Dinge wie Zahnpasta, Duschbad, nette Anziehsachen usw. und das nicht im Schuhkarton verpackt (wie ich es schon persönlich erleben durfte) sondern in Second-Hand Reisetaschen und Rucksäcken- gespendet von Leuten, die diese Dinge nicht mehr brauchen aber für diese Kinder ein unheimliches großes Geschenk bedeutet.

Lasst uns doch einmal kurz innehalten und darüber nachdenken, wo wir helfen können. Angelehnt an den großartigen Satz von Armstrong, nur mit einer anderen Bedeutung kann ich in ähnlicher Form sagen: „Ein kleiner Schritt für jeden von uns aber ein großer Schritt für die Menschen, die uns brauchen“.

 

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