An Tagen wie diesen –

IMG_4407 – wünscht man sich Unendlichkeit – so beginnt ein aktueller Song der Toten Hosen und er klingt durch alle Kanäle, auch durch meinen persönlichen Kanal, dem Kopf, den ich immer dabei habe wenn es auf Tour geht und es ist ein Kanal, den ich heute einfach nicht abstellen konnte.

Irgendwie war der „Off“ Knopf heute „Out of order“, egal was ich tat, woran ich dachte, der Song hat mich den ganzen Tag begleitet. Gut ich gebe zu, ich bin keine gute Sängerin und zum Glück war ich allein mit mir unter meinem Helm, ich habe bei unserer heutigen Tour das Schlusslicht gemacht und somit konnte auch bei starkem Gegenwind niemand von meinen schiefen Tönen unter dem Helm etwas mitbekommen. Es ging ja auch nicht um den Song, es ging viel eher um den Text, der mir heute mal wieder klar gemacht hat, wie schön das Leben sein kann, wie schwer es aber auch sein kann Pause zu machen. Eine Pause, bedingt durch das deutsche Klima, was es uns Motorradfahrern so schwer macht, noch immer gibt es einen langen Winter mit Schnee, wo wir das Zweirad nicht bewegen können.

Vor 7 Tagen hatten wir unseren Saisonausklang im südlichen Andalusien, jeden Tag 30 Grad, Sonne satt und eigentlich war das schon fast ein Tick zu viel an Sonne, wir und unsere Gäste haben das genossen, gerade weil es zu der Zeit in Deutschland schon den ersten Schnee gab. Jetzt sind wir zurück, der erste Schnee hat sich verzogen und wir werden mit sommerlichen Temperaturen verwöhnt. Hallo? Wir haben Ende Oktober und es herrschen noch immer 22 Grad? Wenn das die allgemeine Klimaerwärmung mit sich bringt, bin ich dabei und dankbar dafür!

Wir sind auf Tour, heute muss ich mal nicht vorneweg fahren und hänge so meinen Gedanken hinterher. Es ist definitiv die letzte Tour für mich in diesem Jahr, ich genieße es hinterher zu fahren und plötzlich stelle ich fest, dass alle Gäste der Tour (bis auf eine Ausnahme)  ein Saisonkennzeichen fahren.

Ups, warum eigentlich?

Klar, im deutschen Winter ist das Motorrad besser in der Garage aufgehoben! Was wäre aber, wenn sich der Klimawandel so radikal verändert, dass wir, so wie heute, auch noch im Dezember bei 20 Grad unterwegs sein könnten? Ich würde sagen „Hurra“, das würde Spaß machen, aber wollen wir das auch wirklich? Ist es nicht genau das Besondere, Interessante an unserem Hobby, dass wir es nicht 12 Monate im Jahr nachgehen können? Wenn jetzt jeder Fahrer mit einem Saisonkennzeichen zur Zulassungsstelle rennen müsste um das zu ändern, die Versicherungen informiert werden müssten, gäbe das ein Chaos und wer verdient daran? Nicht wir, wir zahlen ja dafür und die Behörden müssten Überstunden machen, das wollen wir doch nicht wirklich, auch wenn es das Bruttosozialprodukt steigern würde, ein deutscher Winter hat auch etwas!

Somit leben wir gern mit dem deutschen Winter und werden uns bewusst, dass wir ein Hobby haben, was ein ganz besonderes Hobby ist! Golf spielen kann man immer, Go-Kart fahren ebenso,  mit dem Motorrad in Europa ganzjährig unterwegs zu sein ist schon etwas schwieriger.

Genau aus dem Grund wurde mir heute klar, dass wir ein Hobby haben, was leider jedes Jahr eine ungewollte Zwangspause fordert. Genau aus dem Grund wollte mein „Off“ Knopf nicht funktionieren, immer wieder wurde mir bewusst, dass heute die wirklich letzte Tour vor der Zwangspause ist und genau aus dem Grund habe ich den ganzen Tag den Song der Toten Hosen unter meinem Helm geträllert. Es war ein kleiner Abschied von 2013 und sogleich die Vorfreude auf 2014. Das Jahr hat schwer angefangen, ein ewig langer Winter, dann das Hochwasser in Dresden und dennoch habe ich es auf 15731 km in diesem Jahr geschafft, deutlich weniger wie die Jahre zuvor und dennoch habe ich jeden einzelnen Kilometer genossen. Heute ganz besonders, in Erwartung der Winterpause, unterwegs mit einer Gruppe, die einfach perfekt war und wo das Wort „Saisonabschluss“ irgendwie nicht in meinen Kopf wollte, Schluss = Ende?

Wie singen die Toten Hosen? „Wir lassen uns treiben, tauchen unter, schwimmen mit dem Strom“.

Das tun wir, wir haben uns treiben lassen, sind mit dem Strom geschwommen und werden nun untertauchen, nur für ein paar Monate, dann tauchen wir wieder auf und wenn der Moment gekommen ist werden wir die Straßen erobern, werden wieder da sein und Spaß haben, Spaß an einem Hobby, was uns keiner nehmen kann, ein Hobby was ein Autofahrer nie nachvollziehen kann, wir werden die Freiheit spüren und dabei frei sein!

Lasst uns auf eine Saison 2014 freuen, ein neues Jahr und ein neues Glück!

Ich möchte an dieser Stelle meinen persönlichen Dank aussprechen an all unsere Tourguides, die einen hervorragenden Job gemacht haben und auch an all unsere Gäste. Es war uns eine Freude mit euch Europa zu erleben, ganz egal ob Spanien, Norwegen oder Italien, wir haben jede Menge erlebt und aus Gästen wurde Freunde, Menschen die in unser Leben getreten sind und Spuren hinterlassen haben, an die wir uns immer wieder gern erinnern.

Der deutsche Winter soll kommen, er steigert die Vorfreude auf den deutschen Sommer. Bis dahin werden wir Alternativen finden und manchmal kann eine Auszeit auch gar nicht so verkehrt sein 🙂

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