„Sie haben ihr Ziel erreicht“…

20140601_160402…noch nie habe ich mich so nach diesen Worten meines Garmin Gerätes gesehnt. 1618 Autobahnkilometer auf dem Motorrad liegen hinter mir, der Hintern brennt, die Ohren summen und dennoch bin ich froh und glücklich wieder zu Hause zu sein. Warum, weshalb, wieso? Ich fange mal von vorne an.

Vor 2 Wochen sind wir mit unserem Transporter und einem Hänger voller Motorräder nach Katalonien gestartet. Am 24. Mai war Ankunftstag in Barcelona, eigentlich stressfrei, die Shuttlefahrten zum Hotel waren vorbereitet. Bis zu dem Tag wusste ich nur noch nicht, dass jeder der Gäste an einem anderen Terminal landet, diese Info wurde bei den Flugtickets nicht hinterlegt und so konnte ich sie nur vor Ort erfragen. Alles kein Problem, wenn Flüge pünktlich landen würden, was sie in unserem Fall nicht taten. Es gab Verspätungen, Gepäck ging verloren und der Weg von Terminal 1 zu Terminal 2 war 4 km lang, auf die Schnelle nicht zu schaffen. Am Ende haben wir es geschafft, jeder Gast wurde eingesammelt und zum Hotel gebracht, fast jeder Gast. Unser Ronald blieb in Berlin stehen, Germanwings hatte sich überbucht und er durfte erst am nächsten Tag fliegen, ich erspare mir hier jeden Kommentar dazu.

Das Wetter stand auf wechselhaft und für unser Team war es eine echte Herausforderung die Touren so zu planen, dass wir den Regen umfahren und möglichst nur bei Sonnenschein unterwegs sind. Dank diverser Wetter Apps ist uns das perfekt gelungen.

Gefahren sind wir täglich in 2 Gruppen, eine Gruppe für unsere „Ich will kein Sightseeing“ Gäste und eine Gruppe, für die es eher gemütlich und dennoch sportlich sein durfte.

In all den Jahren unserer vielen Touren gibt es Momente, die du nicht erleben möchtest und auf die du gern verzichten möchtest, dennoch erwischen Sie dich ohne Vorwarnung und es geht um die Momente, wo sich ein Unfall ereignet und wo es um das nackte Überleben geht.

Ich war mit meiner Gruppe ganz entspannt unterwegs, von Coll zu Coll auf endlosen Kurvenstrecken, es machte einfach nur Spaß, das Wetter passte, das Tempo passte und selbst mir ging das ewige Grinsen unter dem Helm nicht mehr aus dem Gesicht, wie schön ist es hier Kurve für Kurve zu erleben, abseits von jeglichem Mainstream und ganz ohne Verkehr. Wir waren vertieft in all diesen Kurvenzauber, Gegenverkehr gab es hier nicht wirklich, so war ich es gewohnt und mitten im Kurvenzauber kam uns ein Krankenwagen mit Blaulicht entgegen, nennen wir es Vorahnung, denn hier mitten in der Einsamkeit kann das eigentlich nur eins bedeuten, ein Unfall auf der Strecke, Anwohner gibt es nicht, dachte ich mir und ich hoffte so sehr, dass es vielleicht doch ein Bergdorf gibt, wo es einen Anwohner nicht gut ging, ich hoffte, denn ich wollte nicht darüber nachdenken, dass Gruppe 2 schon vor uns hier durch ist. Als mir ein Jeep entgegen kam mit Lichthupe und dem Hinweis langsamer zu fahren wurde ich wirklich nervös und meine Angst steigerte sich immer mehr, hier geht es nicht um einen Dorfbewohner! 1 km weiter sah ich das Blaulicht der Polizei und es war der Moment, wo jedem Motorradfahrer die Gänsehaut den Rücken herunter läuft, ich sah unsere 2. Gruppe und  ich sah das völlig zerstörte Motorrad von Marc, nein das ist jetzt nicht wahr!

Die Polizei signalisierte uns weiter zu fahren, ich suchte den Kontakt zu unseren Guides, die mir nur den Daumen hoch zeigten. Anhalten, nachfragen, Marc geht es gut trotz Frontalkontakt mit einem Felsen. Die Polizei drängte uns zur Weiterfahrt, hier stehen bleiben geht nicht. Die Gänsehaut blieb, die Hoffnung auf schnelle Klärung auch und kurze Zeit spät erfuhren wir, dass es Marc gut geht, und wir unsere Tour beruhigt fortsetzen können.

Alles in allem hatte Marc einen Schutzengel, keine schweren Verletzungen, das Motorrad wohl Schrott und er darf nun seinen 2. Geburtstag feiern.

Die Tourentage vergingen wie im Flug, unsere Teresa vom Hotel verwöhnte uns jeden Tag aufs Neue und wir hatten jede Menge Spaß.

Irgendwann kommt immer der Tag, wo es heißt Abschied zu nehmen, dieser Tag fiel uns besonders schwer. In Katalonien unterwegs zu sein, auch noch mit Freunden ist einmalig, sich zu verabschieden auf unbestimmte Zeit ist wirklich sehr schwer.

Die Gäste waren weg, wir haben beladen und voller schöner Erinnerungen sind wir den Heimweg angetreten. Wir sind nicht weit gekommen, 200 km weiter wollte unser Auto nicht mehr, Notfallprogramm, Leitungsverlust, maximal 20 km/h Geschwindigkeit, auf der Autobahn zwischen LKW´s der volle Horror, also recht raus und erst mal einen sicheren Parkplatz gesucht, die Hotline von Mercedes angerufen und die nächste Werkstatt aufgesucht, die zum Glück nur 5 km entfernt war.

Die Werkstatt war informiert und bemühte sich sofort um uns, das Ende vom Lied: der Rußpartikel Filter, Katalysator und Turbolader sind hinüber, keine Chance nach Hause zu kommen, hier muss richtig repariert werden. Endlose Telefonate, Reparaturkosten ca. 2500 Euro, Ersatzteillieferung wenn alles gut geht in 4 Tagen. Der Traum wurde zum Albtraum!

4 Tage kann ich nicht warten, die nächste Gruppe wartet. Es gab nur eine Möglichkeit, die GS ausladen und den schnellsten Weg nach Hause wählen. Zum Glück hatten wir ausreichend Vorrat an Bier im Auto um die Nacht zu überstehen 🙂 Unser Trailer durfte im Gelände von Mercedes stehen bleiben, wir mussten draußen bleiben, haben eine Nacht vor den heiligen Toren verbracht. Über den Heimweg mit 1600 km wollte ich mir jetzt noch keine Gedanken machen, jetzt wollte ich nur noch den Frust ertrinken.

Der nächste Morgen kommt immer, auch wenn du es nicht willst, er kam und er kam mit der vollen Wirklichkeit. Die GS ausgeladen, die wichtigsten Dinge in einen Rucksack verpackt und mit Spanngurten am Mopped befestigt, ein kleines Frühstück und schon ging es los.

Adios Catalunya, ich muss weiter! 1600 km sind nicht an einem Tag zu schaffen, was ich schaffen wollte, war wenigstens bis Deutschland zu kommen. Habe ich auch geschafft, was ich nicht erwartet hatte war, dass es so schwer sein würde ein Hotel zu finden. Nach dem 5. Anlauf und 20:30 Uhr ist es mir gelungen ein Zimmer zu finden, irgendwo im Schwarzwald abseits der Autobahn.

Die Nacht war kurz, es musste weiter gehen, das Frühstück im Hotel war gut und nach 6 Stunden auf der Autobahn war ich endlich angekommen in Dresden. Es hat mir keiner geholfen, mich vom Motorrad zu heben, ich hätte jede Hilfe gern angenommen 🙂

Jetzt bin ich endlich zu Hause, meine Gedanken sind bei Rene, der unfreiwillig in Spanien ist und auf die Reparatur warten muss um dann so schnell wie möglich unseren Gästen ihre Babys zurück bringt, die zum Glück entspannt sind.

Nicht immer läuft alles glatt im Leben und all die Probleme machen uns stark, für alles gibt es einen Ausweg, wir stecken den Kopf nicht in den Sand. Die letzte Nacht vor der Werkstatt im Auto meinte Rene zu mir “ Was ich mit dir in den letzten 12 Jahren erlebt habe, habe ich 30 Jahre vorher nie erlebt“. Na und? Willst du es langweilig oder spannend, war meine Frage. Die Antwort ist er mir noch schuldig 🙂

 

2 Comments

on “„Sie haben ihr Ziel erreicht“…
2 Comments on “„Sie haben ihr Ziel erreicht“…
  1. Manchmal hat man kein Glück und dann kommt auch noch Pech dazu! 🙁 Beim Hinflug verschlampt Germanwings meinen Koffer, beim Rückflug verschlampen sie das komplette Flugzeug! Mit großer Verspätung Ankunft in Stuttgart. Dort habe ich dann glücklicherweise noch den letzten Zug erwischt und war dann 2:00 Uhr endlich daheim. Tagsüber konnte ich zum Glück noch einen kleinen feinen Trip nach Barcelona machen und ein bisschen die spanische Metropole erleben.

    Euch beiden auf diesem Wege nochmal vielen herzlichen Dank für die Tour! Die Touren waren toll und es war wunderschön euch wieder zu sehen! Auch eine Herbergsmutter wie Teresa ist verdammt selten. Rundum gelungen, wie immer mit euch!!!

    René, halt die Ohren steif! Verdammt ärgerlich, aber alles ersetzbar!

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