Das Rennsteiglied im Schwarzwald

Stellt euch vor da sitzen 15 Thüringer Gäste in einem Schwarzwälder Hotel und singen lauthals das Rennsteiglied. Warum sie das tun? Das erfahrt ihr gleich.

Gerade zurück vom Gardasee, 1 Tag Pause zu Hause ging es für mich heute in den Schwarzwald. Die 700 km Anreise (zum Glück im Transporter) gestalteten sich mit endlosen Staus auf der Autobahn bei Nürnberg, in Stuttgart und weiter entlang der A 81 zu einem einzigen Nervenkitzel. Zum Glück war unser Tourguide Johannes bereits im Hotel und konnte sich um die Gäste kümmern. Gert mit seiner Gruppe war bereits das 8. Mal mit uns unterwegs und in diesem Jahr sollte es der Schwarzwald sein. 20 Uhr endlich im Hotel angekommen gab es zur Begrüßung ein großes Hallo, 15 bekannte Gesichter freuten sich auf das Wiedersehen und auf die kommenden Tage. Das Servicepersonal im Hotel kümmerte sich rührend um uns und da auch unserer Gäste einen weiten Anreiseweg hinter sich hatten wurde der Abend nicht all zu lang.

Die Wettervorschau stand mal wieder auf Regen, lieber Wettergott lass dir doch mal was Neues einfallen!  Zum Glück schaute der Himmel viel besser aus und nach dem Frühstück starteten wir in Richtung nördlichen Schwarzwald. Schon nach der Hotelausfahrt erwarteten uns zahlreiche Kurvenstrecken. Ein Aufkleber an der Scheibe meiner GS (siehe Reifenpanne Gardasee) gab mir den Hinweis meine neuen Reifen langsam einzufahren. Wie soll das funktionieren wenn hier eine Kurve nach der anderen kommt? Ich gab mein Bestes eine gute Mischung zwischen Fahrspaß und Vorsicht zu fahren.  Vorbei am Schluchsee, weiter Richtung Titisee gab es plötzlich eine Umleitung wegen Straßensperrung. Kein Problem, Hauptsache die Umleitungsstrecke ist schön. Wie schön sie wurde ahnte ich dem Moment noch nicht.

Die erste Strecke präsentierte sich als wunderschöne Kurvenstrecke, bis wir an einen Abzweig kamen, wo es nur nach rechts oder links ging. Wo soll man aber hinfahren wenn dort kein Schild steht wie die Umleitung weiter geht? Liebes Bauamt, habt ihr mal darüber nachgedacht, dass es auch Touristen gibt, die das vielleicht nicht wissen können? Egal, einfach dem Gefühl gefolgt und rechts abgebogen. Es folgt ein kleiner Ort und am Ausgang des Ortes ging es nur noch geradeaus. Mein Navi meinte „ Du bist richtig, fahr immer so weiter“ also tat ich das auch, die Straße wurde zu einem asphaltierten Feldweg, ok so was gibt es ja, also immer weiter dachte ich. Plötzlich wurde aus dem Asphalt ein Feldweg und mein Navi  meinte noch immer  ich bin auf dem richtigen Weg. Aus Feldweg wurde Schotter und nun war meine GS gefordert. Ein Blick in den Spiegel zeigte mir, dass die Gruppe hinter mir und alles in Ordnung war. Ok wenn das so ist dann fahr ich einfach mal weiter, irgendwo wird schon wieder eine Straße kommen. Nach 5 km Offroad durch den Wald standen wir vor eine Berghütte. Hier war für mich der Punkt gekommen anzuhalten und zu schauen was die Gäste dazu meinen. Ich machte mich bereit auf Standpauken gefasst, was das soll und war überrascht als alle ihre Helme abnahmen und meinten “Eh das fetzt- wie hast du die Stecke denn gefunden?“  ich war platt, hatte ich doch vergessen, dass ich bis auf eine Suzuki und eine RT nur GS Fahrer hinter mir hatte. Alle waren happy und ich völlig planlos. Wie wird der Weg weiter gehen, wo wird das enden?

Zur Erklärung muss ich sagen, dass  wir für unsere Schwarzwaldtouren sonst ein anderes Hotel haben, welches 100km von unserem jetzigen Hotel entfernt ist. Von dort kenne ich die Strecken im Schwarzwald gut, nur von hier waren einige Strecken neu für mich. Um genau solche Situationen zu vermeiden sind wir auf der Suche nach einem Tourguide gewesen, der aus dem Schwarzwald kommt und sich bestens auskennt. Genau dieser neue Tourguide, unser Johannes, war nun dabei um uns und wir ihn kennen zu lernen. Als erfahrener Motorradfahrer war daher die Offroad Strecke für ihn auf der Suzuki auch kein Problem.

Die restlichen 3 km durch den Wald waren schön, vor allem als ich wusste, dass es den Gästen Spaß machte aber es war auch schön wieder auf asphaltierte Straße zu treffen. Angekommen auf über 1200 Metern direkt aus dem Wald auf dem Feldbergpass schauten uns schon einige Leute blöd an als wir plötzlich mitten aus dem Nichts auftauchten.

Nach dem kleinen Abenteuer wurde es Zeit für eine Pause und da sich Johannes hier bestens auskannte steuerte wir ein kleines Tal an mit einer idyllischen Gastwirtschaft. Aus der geplanten Kaffeepause wurde eine ausgiebige Mittagspause und die Sonne verwöhnte uns reichlich.

Weiter ging es dann zu den Triberger Wasserfällen, zur weltgrößten Kuckucksuhr, wo der Kuckuck sich eher als „Schlaf-Kuckuck“ präsentierte. Hier muss man nicht wirklich nochmal hin aber es war nett ihn gesehen zu haben. Über den Kandel fuhren wir zum Schauinsland. Hier war jetzt freies Fahren angesagt, jeder wie er mochte und ganz ohne Gruppenzwang. Wer diese Strecke kennt kann sicher nachvollziehen, dass die Mundwinkel unter dem Helm ganz weit nach oben gezogen waren. Über den Berg gekommen eröffneten sich uns dunkle Wolken die nichts Gutes bedeuteten. Schnell zogen wir die Regenkombis über und nun ging es auf schnellem Wege zum Hotel. Die letzten 30 Kilometer waren nass und kalt. Egal wir hatten einen ganzen Tag Fahrspaß und den konnte uns dieser Regen nicht mehr verderben.

Die Stimmung in der Gruppe war gut und da es morgen wohl den ganzen Tag regnen sollte kümmerte ich mich um Alternativen. Das Personal im Hotel war sehr hilfreich und nun hieß es abwarten, ob es wirklich so wird.

Tatsächlich war es dann auch so, grauer Himmel, Regenschauer und keine Lust auf das Motorrad zu steigen. Also entschieden wir uns bis Mittag zu warten ob es vielleicht besser wird. Auch Mittag war keine Besserung in Sicht und von daher war nun Alternativprogramm angesagt. Wir entschieden uns für einen  Kegelnachmittag im Ort und die Zeit bis dahin nutze jeder für sich, Schwimmbad, Sauna etc. das Hotel bot genug Möglichkeiten.

Der Kegelnachmittag war lustig und auch wenn wir lieber Motorrad gefahren wären tat das der guten Stimmung keinen Abbruch. Die Zeit bis zum Abend verging schnell und unser 4-Gang Menü Abendessen erwartete uns. Heute Abend sollte es Tanzabend mit Livemusik geben. Da sich wohl niemand so recht traute wurden wir gebeten doch mal vorbeizuschauen. Gesagt, getan und ein einsamer Alleinunterhalter bemühte sich ein abwechslungsreiches Repertoire zu spielen. Na ja mein Geschmack ist das nicht aber für ein Bier kann man es wohl aushalten. Die Anzahl der weiteren Gäste außer uns war an einer Hand abzuzählen und so kamen wir ins Gespräch mit dem Musiker. Es wurden Musikwünsche geäußert und der „Holzmichel“ sorgte für ein erstes Stimmungshoch. Jetzt wurde noch eins drauf gesetzt und er stimmte das Rennsteiglied an. Unsere Gäste, die allesamt aus Thüringen waren, konnten sehr innig mitsingen und scheinbar hatten alle viel Freude damit. Bei dem Wunsch nach dem Lied „Sing mein Sachse sing“ musste er passen und meinte wir könnten trotzdem den ihm fremden Dialekt singen. Dazu ließen sich die Jungs und Mädels nicht zweimal bitten und mit mehr oder weniger Textlücken ging auch das.

Am Ende war das ein gelungener Abschluss für den Abend. Ich weiß nicht wie lange noch gesungen und getanzt wurde, mein Bier war leer und mein Bett rief nach mir. Ich werde es aber ganz sicher morgen früh erfahren.

Der nächste Morgen und nun wusste ich es genau, so viel später war es gar nicht. 24:00 Uhr waren auch die letzten Gäste der Gruppe auf ihren Zimmern und für den Alleinunterhalter wohl Feierabend.

Der Tag zeigte sich mal wieder mit Regen und dicken Wolken, kein perfekter Tag für den langen Heimweg. Dick bepackt mit voller Regenkleidung hieß es Abschied nehmen. Gert und seine Gruppe hatten 600 km Heimweg vor sich, ich 700 km, allerdings im Auto, was es ein bisschen angenehmer für mich machte. Ein herzliches „By, By bis zum nächsten Jahr“ und schon verschwanden sie alle in Richtung Heimat. Ich startete mein Auto und los ging es auch für mich in Richtung Dresden. Mein Weg zur Autobahn ging über den Feldbergpass, eisige 4 Grad und Schnee rechts und links der Straße ließen mir einen kalten Schauer über den Rücken jagen. Wir haben Mitte Juni und was soll das? 60 km vor Stuttgart wurden die Wolken weniger und so langsam zeigte sich die Sonne. Dass ich heute nochmal meine Sonnenbrille auspacken sollte war eine wirkliche Überraschung für mich. Eine Verkehrsdurchsage im Radio warnte vor einer Kuh, die sich völlig verwirrt auf der Bundesstraße bei Sonthofen vorwärts bewegte. Was hätte ich letzte Woche dafür gegeben auf meinem Motorrad diese Info zu haben. Wer den Bericht unserer Gardaseetour gelesen hat wird wissen was ich meine und mit dem Gedanken konnte ich heute, 1 Woche später, nur noch darüber schmunzeln. Mein Heimweg nach Dresden war abwechslungsreich, Regen, Sonne, Regen und je mehr ich mich Dresden näherte um so schöner wurde es. Es geht doch nichts über den goldenen Osten, dachte ich mir und 7 Stunden später in Dresden angekommen freute ich mich auf einen entspannten Abend mit Freunden bei der BRN. Ihr wisst nicht was die BRN ist? Es ist die Bunte Republik Neustadt, das wohl größte Stadtteilfest in Ostdeutschland, vergleichbar mit der Love Parade. Livemusik an jeder Ecke und jede Menge interessanter Menschen. Gut ich gebe zu, kein Rennsteiglied aber ehrlich gesagt habe ich das auch nicht vermisst!

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