Der „Vorteilsfaktor“ Frau

Es ist die harte Zeit für Motorradfahrer angebrochen. Kein Wetter, keine Touren und nur endloses Warten auf die kommende Saison. Für uns ist das eine Zeit der Organisation und Vorbereitung auf eine Vielzahl neuer Touren im anstehenden Jahr.

Damit verbunden fallen mir immer wieder Bilder vor die Augen, die mich gelegentlich innehalten lassen und jede Menge Erinnerungen an die vielen Erlebnisse werden wieder wach.

Komisch ist, dass ich mittlerweile jede neue Idee auf einem Notizblock festhalten muss um sie nicht gleich wieder zu vergessen.  Schau ich mir Bilder der letzten 10 Jahre an habe ich so viele Erinnerungen im Kopf dass ich sie regelrecht ordnen muss um nicht den Überblick zu verlieren.

Heute schreibt mir eine Freundin bei Facebook, dass sie gern an unserem Sicherheitstraining für Frauen teilnehmen möchte, weil sie so viele Defizite hat. Für den Notfall hat sie immer einen Lippenstift dabei schreibt sie und es jagt mir unweigerlich ein Lächeln ins Gesicht. Vorteilsfaktor Frau? Ach ja, den hatte ich auch schon öfters! Ist doch schön wenn MANN sich freut, dass FRAU auch Motorrad fährt.

 

Da erinnere ich mich an eine Begegnung im Jahre 2005. Zu der Zeit war eine CBR 600 RR noch meine Weggefährtin und eine kurze Probefahrt mit der damals brandaktuellen MZ 1000 bei der GDMA hatte mich neugierig gemacht.  Unser MZ Händler gab mir die Möglichkeit dieses wunderbare Motorrad einen ganzen Tag Probe zu fahren, schließlich sollte sie für meine Touren das perfekte Motorrad sein.

Also Termin ausgemacht und los ging es. Der Hinweis, dass bei diesem Motorrad die Reservelampe recht schnell kommt und man immer noch gute 80km fahren kann war an dem Tag kein ganz unwichtiger Hinweis. Ich wollte eine neue Ecke in Sachsen erkunden und bewegte mich in Richtung Sächsisches Burgen- und Heideland. Kleine einsame Straßen, wenig Verkehr, ein geiles Mopped unterm Hintern und alles passte. Irgendwann nach 150 km blinkte auch die Reservelampe, egal ich kann ja noch ausreichend Kilometer machen. Nach 50 km Fahrt in völliger Einsamkeit zwischen Feldern und Wiesen kam die Überraschung, der Motor stockte, gab ein letztes Lebenszeichen von sich und dann wurde es dunkel im Armaturenbrett und ebenso leise. „Das kann doch nicht wahr sein“ dachte ich mir, also ausrollen lassen und den nächsten Feldweg wählen. Hier stand ich nun, mit einem Motorrad was sich nicht mehr starten ließ und war abseits jeder Zivilisation. Wie es immer so ist in genau solchen Situationen ist der Akku des Handy leer, nix zu Trinken bei (und das bei satten 30 Grad Sonnenschein) und auch die Zigarettenschachtel lacht mit gähnenden Leere. Was nun? Das Mopped sanft auf die Seite legen um dem letzen Tropfen habhaft zu werden war eine Idee, kannte ich aus DDR Zeiten, da wog ein Motorrad aber noch keine 230 Kilo, also diese Idee schnell verworfen. Trampen bis zur nächsten Tanke? Mir bleib ja nichts anderes übrig und los ging es.  Ein Fußmarsch zur nächsten Hauptstraße und Daumen in den Wind gehalten. Nach 10 Minuten das erste Auto, ein e nette Dame am Steuer erklärte mir, dass sie genau den anderen Weg fahren muss wo es garantiert keine Tankstelle gibt, schade! Warten, warten, warten und kein Auto weit und breit. Wo bin ich hier eigentlich?

Die nächsten Tankstelle, laut Hinweisschild 5 km entfernt, kein Ding im Normalfall lass ich mein Motorrad zurück und muss bei 30 Grad Hitze Kilometer da hin laufen. Was muss das muss und genau in dem Moment wo ich mich entschieden hatte diese endlosen Fußmarsch auf mich zu nehmen kommt doch ein kleiner Transporter und biegt in den Feldweg ein wo meine MZ steht. Der hält genau neben ihr, der Fahrer steigt aus und mein Motorrad interessiert ihn noch nicht einmal. Was ist das denn? Kurze Frage im Kopf, kurze Antwort bei genauem Hinschauen J Ich hatte unbewusst an einer Trinkwasser-Versorgungstation abgeparkt und der Fahrer des Autos war ein Mitarbeiter der Städtischen Trinkwasserversorgung auf Kontrollgang.  Was hatte ich für ein Glück! Ein nettes „Hallo, können Sie mir vielleicht helfen?“ und schon röchelte der Reservekanister des Dienstwagens seine 5 Liter Benzin in meinen Tank.  Was für ein Glück und dabei hatte ich keinen Lippenstift aufgelegt! Die Frage nach der Bezahlung wurde mit einem einfachen „ Ich hab dir doch gern geholfen, lass mal stecken“ abgetan. Ich war ihm so dankbar! Dankbar , dass ich keinen kilometerlangen Fußmarsch auf mich nehmen musste und überhaupt dankbar für diese Hilfe. Ich werde wohl nie erfahren wer dieser edle Retter in der Not war und weiß  seit dem, dass es nie verkehrt sein kann „Frau“ zu sein J

Die nächste Tankstelle war meine, die Tour nach Hause mit Adrenalin gespickt und trotz aller Widrigkeiten habe ich an dem Tag noch meinen Kaufvertrag beim MZ Händler unterschrieben. Die MZ war für mich das perfekte Touren-Motorrad, kennt man seine Macken und weiß damit umzugehen kann es kaum ein besseres Motorrad geben. Sie hat mit jedenfalls über viele Jahre die Treue gehalten und einen weiteren unerwarteten Stopp mangels Benzin hat es nie wieder gegeben.

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