Saisonabschluß in Andalusien

Jedes Jahr aufs Neue kommt der Moment, wo dir bewusst wird, dass die Saison zu Ende geht. Dieser Moment kommt wie so oft viel zu schnell. Da fühlst du gerade noch, wie du dich nach einem harten Winter endlich wieder auf das Motorrad setzt, den Zündschlüssel drehst, den Motor startest und dein Motorrad mit leisem Schnurren wieder zum Leben erweckt wird.  „Ja, wir leben beide noch“ denkst du dir und die erste Tour ist wohl immer die schönste Tour im Jahr. Die Kombi, wie auch in jedem Jahr, scheint enger geworden zu sein, die Bewegungen noch etwas steif und am Ende des Tages spürst du einen leichten Muskelkater weil bestimmte Körperpartien lange nicht mehr so beansprucht worden. Ja genau das macht es aus – die Freude am Motorradfahren, die spannenden Momente der ersten Touren und die Freude an ausgiebigen Touren mit einer Vielzahl an neuen Erlebnissen.

Die Saison begann für mich im März mit einer Tour in Andalusien und jetzt knappe 7 Monate später hat die Saison vor 5 Tagen genau dort wieder geendet. Besser geht es nicht, gerade weil ich Spanien so liebe! Mit dieser Tour sollte ich die 30.000 km Grenze für dieses Jahr knacken und für alle, die es interessiert, die Hornhaut auf meinem Hintern hält sich in Grenzen 🙂

Unsere Tour war ausgebucht, ausreichend Gäste wollten mit uns gemeinsam die Saison in Andalusien beenden und ich freute mich darauf. Die große Herausforderung dieser Tour war die Logistik, hatten wir doch zeitgleich 2 Gruppen am Start. 

Nach 5 Tagen Transitweg hatten wir es geschafft und waren mit unserem Transport, insgesamt 9 Motorrädern, in Andalusien angekommen. Hier angekommen wurden Motorräder und Gepäck entladen, unsere Mietmotorräder aus dem spanischen Fuhrpark verladen und zum Hotel für die ersten 3 Tourentage gebracht. Kein leichtes Unterfangen bei über 25 Grad! Nachdem alles verteilt, sicher abgestellt und im Hotel eingecheckt war ließen wir es uns nicht nehmen, ein erstes San Miguel zu genießen! Angekommen ohne Zwischenfälle, ab sofort zählte nur noch das HIER und JETZT! Der Empfang in unserem langjährigen Partnerhotel war wie immer sehr herzlich und ab sofort fühlten wir uns hier zu Hause. Den Abend verbrachten wir in der phantastischen Altstadt von Nerja und wie so oft machte es einfach nur Spaß den Spaniern zuzuschauen und sich in ihren Bann ziehen zu lassen, eben Lebensfreude pur!

Ein neuer Tag und die Anreise der ersten Gäste stand an. Schnell noch ein bisschen Aqua Mineral und Serveza con/ sin Alcohol eingekauft und auf ging es zum Flughafen. Unsere Gäste sollten sich mit ihrer Ankunft sofort wohl fühlen und was kann da besser sein als kaltes Bier auf dem Weg zum Hotel? Anmerkung: „sin Alcohol“  selbstverständlich für unseren Fahrer 🙂

Die Gäste waren pünktlich angekommen und jetzt sollte deren Urlaub beginnen. Fahrt zum Hotel, einchecken und erst mal ankommen. Anschließend der nächste Transfer und 20 Uhr waren für heute alle da.  Ein erstes Kennenlernen, ein schöner Abend in der Altstadt von Nerja und die Stimmung war perfekt.

Der nächste Tag begrüßte uns mit Sonne satt und wir starteten zu einer ersten Tour in die Berge. Eingewöhnungsphase an die Mietmotorräder und es lief einfach alles rund. Ich nutzte, in Absprache mit den Gästen,  mal wieder die Chance eine neue Strecke auszuprobieren und ich glaube sie hat nicht nur mir gefallen 🙂

Heute Abend wurde unsere Runde durch einen weiteren Gast bereichert und ich war wirklich froh, dass alle in dieser Runde wirklich nette und unkomplizierte Gäste waren, alle verstanden sich sofort und es wurde ein unterhaltsamer Abend.

Auch wenn Andalusien als Paradies für Motorradfahrer bekannt ist, so sind sie trotzdem nicht oft anzutreffen. Genau aus dem Grund sind die Spanier immer wieder begeistert uns zu sehen und wenn ich nur an das Bild denke, wie unsere Flotte vor dem Hotel auf einem gesonderten Parkplatz steht, die Spanier ständig herumschwirren und begeistert sind läuft mir immer wieder eine Gänsehaut vor Freude über den Rücken.

Nach einem ausgiebigen Frühstück stand heute meine persönliche „Lieblingstour“ auf dem Programm. Es ist die längste Tour bei dieser Tour mit 350 km, für den einen mag das viel sein und für den anderen genau richtig. Ich will und kann keinen einzigen Kilometer dieser Tour wegkürzen, weil die Strecke so perfekt und wunderbar ist! Die Landschaft wechselt permanent von kargen Felsen, weißen schroffen Schluchten bis hin zu roten Felsen, die uns glauben lassen, dass hier wäre Australien. Perfekte Straßen mit Kurven ohne Ende, unendlich große Gastfreundschaft bei unseren Pausen im Hinterland – ich liebe es so sehr!!!!!

Heute wurde es spät, „vertrödelt“ (wie wir Sachsen es sagen) MANN sich doch gern bei den Pausen und somit wurden wir auf den letzten Kilometern der Tour von einem phantastischen Sonnenuntergang begleitet, der die weißen Dörfer und das Meer in eine glutrote Kulisse verwandelte. Auch wenn es heute spät war, ich bin überzeugt, dass es allen Gästen gefallen hat.

Ein neuer Morgen, ein neuer Tag und damit auch Anreisetag für die zweite Gruppe. Unser Chaufferservice kümmerte sich perfekt um alles, ich hatte die Mission mit den bisherigen Gästen wieder auf Tour zu gehen. Es ging erneut in die Sierra Nevada, nur mit anderen Strecken und neuen Zielen. Ein leckeres zweites Frühstück in der Schinkenstadt Trevelez und ab hier ging es weiter über unendliche Kurvenstrecken der Extraklasse durch die Einsamkeit der Sierra Nevada. Wir nutzen die Chance und plünderten gelegentlich den Garten Eden von Spanien, vorgesorgt mit Hotelbesteck (was wir auch ganz artig wieder zurück gegeben haben) zwecks der Stacheln, ließen wir uns frische Kaktusfeigen schmecken, knackten frische Granatäpfel und verkosteten saftig süße Weintrauben am Wegesrand. Wir blieben nicht unentdeckt und schnell gesellte sich ein deutscher Auswanderer mit seinem „Mopped“ zu uns und hatte jede Menge Geschichten zu erzählen. Von dem interessanten Zigeuner mit seinem Vogelkäfig mag ich jetzt gar nicht erst erzählen, unsere Gäste wissen was ich damit meine und ich hoffe das euch diese Begegnung noch immer ein Lächeln ins Gesicht zaubern wird, so etwas erlebt man eben nicht jeden Tag 🙂   

Der nächste Morgen begrüßte uns mit Regen, keine Chance zu pausieren, denn heute ging es zu unserer nächsten Unterkunft für die restlichen Tourentage. Das Gepäck im Shuttlebus verladen, eine letzte Zigarette geraucht und los ging es. Wenn es in Andalusien regnet, bedeutet das noch lange nicht, dass es überall regnet. An der Küste gestartet war ich voller Hoffnung auf Wetterbesserung, die Hoffnung zerschlug sich recht schnell als der Blick auf die Berge frei wurde, hier sah es furchtbar aus und hier müssen wir auch drüber! Egal, da müssen wir jetzt durch, immer nur Sonne ist doch langweilig! Der Regen blieb beständig, das Thermometer sank auf 8 Grad und die Ausblicke auf die gigantische Landschaft wurden zur Nebensache. Unsere Bar für den ersten Kaffeestopp reagierte prompt als wir völlig durchnässt das Lokal betraten, der Kamin wurde angefeuert und unser Micha erkannte umgehend die Vorzüge eines Händetrockners auf der Toilette 🙂

Die nächsten 2 Stunden wurde es nicht besser, eine wirkliche Abkürzung zum Ziel gab es nicht und somit führte uns der Weg weiter durch verregnete Berge und Olivenhaine. Irgendwann entdeckte ich einen blauen Fleck am Himmel und das auch genau in unserer Fahrtrichtung, ein Lichtblick? Ja genau das war es, die Temperaturen stiegen ganz langsam, der Regen hörte auf und nach der Mittagspause an der Küste angekommen erschien es uns, als ob es nie anders gewesen wäre. 17 Grad und Sonne satt, wer hätte das gedacht? Hier hatte es keinen einzigen Tropfen geregnet und satte 20 Grad erweckten auch unsere Lebensgeister wieder. Kaum zu glauben aber wahr, Andalusien sorgt immer wieder für Überraschungen!

Heute war Anreisetag für weitere Gäste, keine Zwischenfälle, alle pünktlich angekommen und gemeinsam verbrachten wir den Abend in unserem Stammlokal direkt am Meer. Die Stimmung war gut und es sollten wunderschöne Tourentage folgen. 

Ein Tag wie im Bilderbuch, ein gemeinsames Frühstück und schon ging es los. Die Gruppe harmonierte und wir genossen es mal wieder in dieser wunderbaren Landschaft unterwegs zu sein. Es war ein schöner Tourentag,  die Überraschung des Tages war der Besuch des 1. Schlumpfendorfes der Welt, kein typisches weißes andalusisches Dorf, nein eingetaucht in Schlumpfblau sorgte das Dorf für Freude pur bei unseren Gäste und der eine oder andere fühlte sich in seine Kindheit zurück versetzt.

Dank Smartphone und Apple ist es heute kein Problem mehr rund um die Welt online zu sein, genau das was eine Vielzahl unserer Gäste auch gern tun und somit wurden wir sanft darauf vorbereitet, dass sich die Wetterlage ändern wird und Regen angesagt ist. Wir verbrachten noch 2 weitere Tage bei gutem Wetter, danach wurde aus der Wetterprognose Realität. Es regnete in Strömen, ich habe ja Verständnis dafür, dass Andalusien den Regen braucht aber warum ausgerechnet jetzt und nicht 1 Woche später? Es gab kein Erbarmen und somit entschlossen wir uns für die trockene Variante, orderten Mietwagen und erlebten damit unser Alternativprogramm für schlechtes Wetter. 

Alles in allem war es eine schöne Tour, zum Abschluß einer Saison perfekt, wenn wir uns auch gewünscht hätten den einen oder anderen Tag noch auf dem Motorrad zu „erfahren“.  Für das Wetter kann keiner zur Verantwortung gezogen werden, wir haben das Beste daraus gemacht. Unseren Oktobertermin 2013 für Andalusien haben wir jetzt vorgezogen, in der Hoffnung dann vom Regen verschont zu bleiben. Wir können für nichts garantieren, wir wollen es nur noch besser machen.

Das Unverständliche für mich ist, dass unsere Gäste alle am Freitag in strömenden Regen abgereist sind (was den Abschied gelegentlich auch leichter macht). Wir sind noch einen Tag länger geblieben, um in Ruhe den Transporter zu verladen. Genau an dem Tag zeigte sich Andalusien von seiner schönen Seite, Sonne satt und 21 Grad.

Jetzt, 4 Tage nach unserer Heimkehr, haben wir eine Tour mit 17 Gästen, in 2 Gruppen, hinter uns gebracht. Hier in Deutschland ist es kalt und es regnet. Lieber Winter, halt noch ein wenig aus, ich gewöhne mich gerade erst an die Temperaturen und könnte gut und gerne noch ein bisschen Sonne vertragen. Meine GS sieht aus wie eine GS, schmutzig, verdreckt und voller Schlamm. Auch wenn sie eine GS ist würde ich sie gern sauber und gepflegt in den Winterschlaf versetzen, schaffe ich es ja sonst nicht über die Saison ihr ein perfekt sauberes Erscheinen zu gönnen.  

In dem Sinne wünsche ich euch allen eine kurzweilige Wartezeit bis zur nächsten Saison, sie wird schneller das sein als wir denken!
Dann ist wieder Zeit für ausgiebige Touren, neue Erfahrungen, unzähligen Erlebnissen und vor allem Fahrspaß auf 2 Rädern.

Eure Manuela! 

 

 

5 Comments

on “Saisonabschluß in Andalusien
5 Comments on “Saisonabschluß in Andalusien
  1. schöner Bericht – Danke. Da trauert man der vergangenen Saison nach und bekommt schon Vorfreude auf die Nächste. Aber jetzt wird erst mal der Winter genossen und dann gehts in die neue Saison. Ich bin gespannt auf Eure neuen Ziele 2013.
    Viele Grüße Bernd

  2. Für den Regen könnt ihr ja nichts. Glaub mir,hier war das Wetter noch schlechter und ich kann mir vorstellen,das schlechtes Wetter in Andalusien besser zu ertragen ist. 😉 Sehr schöner Bericht. LG ADI

  3. Danke euch beiden! Mit der Organisation der Touren 2013 bin ich in Gedanken schon voll mitten drin. Es wird ganz sicher ein schönes und abwechslungsreiches Tourenjahr!

  4. Vielen Dank für den Bericht und auch für die schönen Bilder. So hält man die Tour noch lange in Erinnerung. Es war einfach wunderschön – und das auf vielen Ebenen. Nicht nur das Mopped fahren war toll, sondern auch das spanische Essen, die spanische Gastfreundlichkeit, die tollen Teilnehmer und die Tourenleitung. Und vor allem auch die super Abende, die wir gemeinsam verbracht haben. Nochmals danke dafür und ich hoffe wir sehen uns bald wieder!

  5. Hallo Micha,
    ich habe mich gefreut wieder von dir zu hören! Es war eine wirklich tolle Tour, die wir gemeinsam verbracht haben und vor allem ein gelungener Saisonabschluß. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen mit dir und bis dahin komm gut durch den Winter! Herzliche Grüße!

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