Ein ungewöhnlicher Saisonstart in Andalusien

IMG_5378Die lange Winterpause liegt hinter uns und nun sollte es endlich in die neue Saison gehen. Wir hatten uns entschieden die Saison mit einer Tour in Andalusien zu starten.

Die Tour war ausgebucht und 8 Gäste hatten sich entschieden mit uns das sonnige Andalusien zu erkunden. Die Voraussetzungen waren perfekt, die Wetterprognose sagte Sonne satt für die gesamte Woche voraus und bis auf unsere Dagmar war Andalusien für alle komplettes Neuland.

Der Anreisetag war gefüllt mit Flughafentransfers und nachdem wir unseren letzten Gast um 18:00 Uhr am Flughafen abgeholt hatten, war die Gruppe komplett. Der erste Abend ist der Kennenlernabend wo sich unsere Gäste meist noch etwas zurückhaltend verhalten, bei der Tour war es irgendwie anders. Die Gruppe verhielt sich, als würden sie sich schon lange kennen, man verstand sich sofort und schon der erste Abend wurde lustig und unterhaltsam. OK wenn das so ist, dann ist es prima, dachte ich mir und es konnte nur noch besser werden. Als Veranstalter weißt du nie, wer deine Gäste sein werden und wie sie drauf sein werden, womit ich persönlich nicht gerechnet hatte war, dass diese Gruppe vieles toppte was ich in all den Jahren kennen gelernt hatte.

Der erste Morgen, die erste Tour, wir haben keine fest gezurrten Regeln wo sich wer in der Gruppe einordnet, wie auch. Wer will beurteilen, wer der „langsamste“ und wer der „schnellste“ Fahrer ist, wenn sich die Gruppe vorher nie gesehen hat? Wir sind der Meinung, dass wir erst einmal losfahren und dann schauen, wie sich die Fahrweise entwickelt. Gesagt, getan.

Die Kombi war wie nach jeder Winterpause geschrumpft und ich fühlte mich wie ein Michelin Weibchen, auch ich hatte ein Mietmotorrad, eine 650 GS, die Hälfte von meiner 1200 GS und musste ich mich erst einmal daran gewöhnen. Keine Boxer und „nur“ die halbe Leistung von dem, was ich gewohnt bin. Es war egal, es war ja auch für mich die erste Tour in diesem Jahr und dafür waren 650 ccm völlig ausreichend.

Zum Anfang jeder Saison rechne ich mit einem Gruppentempo, was sich an der STVO plus Minus orientiert, womit ich nicht gerechnet hatte war, dass alle Gäste eher Plus Plus drauf waren. Die Gruppe klebte an meinem Hinterrad, ich konnte fahren wie ich wollte, es gab keine Lücke und es machte mir sogar ein wenig Angst. Hallo? Ich sitze seit Monaten das erste Mal wieder auf einem Motorrad, habe die Hälfte der ccm, als gewohnt, und darf keine Schwäche zeigen, ganz besonders nicht, wenn die Gäste einem am Hinterreifen kleben!

Wäre ich allein unterwegs gewesen hätte ich es wohl langsamer angehen lassen, hier und jetzt gab es kein Erbarmen, die Gäste wollten Fahrspaß und den sollten sie bekommen, egal ob ich nur eine 650 GS fuhr, ich gab alles was ging.

Unsere Gruppe war eine bunte Mischung aus Sachsen, Schwaben und Gästen aus dem Münsterland, die unterschiedlichsten Dialekte, alles war dabei – nur kein „Hochdeutsch“. Wir haben uns trotzdem „verstanden“ auch wenn gelegentlich eine „Übersetzung“ notwendig war. Wir brauchten kein „Verständnis“ während der Touren, da sind alle „Hochdeutsch“ gefahren, soll heisen das Tempo war so angelegt, dass die Gruppe immer zusammen hielt und jeder seinen Spaß hatte, auch wenn wir gelegentlich weitaus mehr als STVO fuhren.

Für eine GS ist es einfach den Zauber von tausend Kurven zu erleben, gleichsam schmiegt sie sich durch jede Kurve, was aber macht eine KTM DUKE, wenn sie als Diva beherrscht werden will und Kurven nur mit viel Arbeit und tausend Schaltvorgängen zu bewegen ist? Dann hat der Fahrer eben viel zu tun und wohl etwas weniger Fahrspaß wie der Rest der Gruppe. Unser lieber Jürgen hat es dennoch gut gemeistert und sich mit den weniger Zylindern angefreundet, 5 Tage später hatte ich den Eindruck, dass er die KTM doch irgendwie lieb gewonnen hat und es würde mich nicht wundern, wenn er sein Suzuki irgendwann gegen eine KTM eintauscht.

Alles in allem war es für mich der perfekte Start in die neue Saison, wir hatten jeden Tag Sonne satt, bis auf den letzten Tourentag. Es war ein Survival Trip mit Regen und Nebel durch die andalusischen Berge und erst in Gibraltar hörte die ewige Nässe von oben auf.

Wir hatten unendlich viel Spaß bei dieser Tour und die Gruppe hat mir persönlich den Einstieg in die Saison sehr leicht gemacht. Ich möchte einfach nur DANKE sagen an euch alle, die dabei waren, jeder einzelne von euch hat mir bewusst gemacht, dass ich einen tollen Job habe, der allerdings immer nur wirklich so toll ist, wenn die Gruppe stimmt, und das hat sie absolut bei dieser Tour. Ich hatte lange nicht mehr so viel Spaß und ihr habt es mir einfach gemacht meine Lieblingsregion in all ihrer Schönheit zu erfahren und vor allem euch zu zeigen. Euch zu zeigen, was Andalusien zu bieten hat, abseits von all dem Touristenrummel und abseits vom Mainstream, den viele anderer Veranstalter anbieten. Danke, dass ihr euch für eine Tour mit uns entschieden habt und dass ich euch meine 2. Heimat zeigen durften, eine Heimat, die man so nur Freunden zeigt und die ich euch gern gezeigt haben, weil ihr nicht nur Gäste gewesen seid, weil ihr in der Zeit zu Freunden geworden seid!

Wir hatten am Mittwoch einen „feuchtfröhlichen“ Abend und ich hatte euch auf die anstehende Tagestour vorgestellt. 210 km durch die Montes de Málaga, erweiterbar um 150 km auf meiner persönlichen Lieblingsstrecke. Es war mein persönlicher Wunsch die Tour um genau diese 150 km zu erweitern und ich bin euch dankbar für das 100%ige „Yes we will do it“! Trotz der „langweiligen“ Anfahrt über die Autobahn, hat euch diese Tour scheinbar für alles entschädigt, ich danke euch dafür, dass ich das mit euch erleben durfte. Ich bin Veranstalter und richte mich nach den Wünschen den Gästen und wenn die Gäste sagen „Ja, wir machen das so wie du es gern hättest“, danach nicht meckern und ich nur noch in  die „grinsenden“ Gesichter unter den Helmen schaue, dann ist die Welt in Ordnung und ich freue mich mit euch. Auch ich will Spaß haben ( das ist doch nicht verwerflich, oder?) und den Spaß hatte ich mit euch, ganz klar!

Dienstleister zu sein ist nicht immer einfach, und umso mehr hat es mich gefreut mit einer Gruppe in eine neue Saison zu starten, die es mir „einfach“ gemacht hat, weil eben einfach alles perfekt gelaufen ist. Ich will mehr davon!

Nun die ungesagten Worte, die gelegentlich im Abspann eines Filmes als „nicht zensierte Szenen“ gezeigt werden.

@Franz: Bevor du einem Schwaben seine KTM entwendest denke mal darüber nach, wie ich schnell zu einem Defibrillator komme. Und wenn sich die Schranke der Einfahrt in die Tiefgarage öffnet, dann warte auf deinen Mitfahrer, eine schließende Schranke auf dem Kopf tut weg, trotz Helm J

@Thomas: Eine KTM ist keine Street Triple und wenn du scharf bremst dann hören sich 3 Gänge extremes runterschalten grausam an.

@Werner: Wenn deine Kombi im Regen versagt dann ist eine Plastikhaube a la China für 3 Euro die beste Investition, gut gemacht!

@Jürgen: Du hast gekämpft wie dein spanischer Torrero, die KTM war nicht wirklich dein Motorrad und du hast die dennoch beherrscht, der Stier ist erlegt, HUT ab!

@Enno: Du warst wohl der entspannste Teilnehmer bei der Tour, keine Frage, du durftest ja auch immer an meinem Hinterreifen kleben.

@Dagmar: Ich erinnere mich sehr genau an deinen emotionellen Ausbruch nach den Montes de Malaga, was hat der Pass nur mit dir gemacht um solche Freudenschreie loszulassen J

@Andreas: Ich bin auch ein Sächsist, habe ich dennoch manchmal nicht verstanden, egal du bist eine Bereicherung gewesen für die Gruppe, in jeder Beziehung und ich freue mich auf das nächste sächsische Duett.

 

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